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ARCHIVGRUPPE

Archivgruppe

Am 9.9.2010 fand das erste Treffen der Mitglieder der neu gegründeten Archivgruppe statt.
Hr. Lenski vom Kulturamt der Stadt Bobingen führte die Interessierten in den Aufbau und Geschichte des Bobinger Archivs ein.
12 Personen können sich nun zu den Gründungsmitgliedern zählen und werden an vielen interessanten Themen arbeiten und die Ergbenisse dann auch veröffentlichen.

Treffpunkt vor dem Rathaus in Bobingen
Termine nach Vereinbarung

Falls Sie Interesse haben, dann melden Sie sich doch einfach bei uns oder kommen an einem Termin vorbei und schnuppern mal rein.

Archivtermine 2017

Wir treffen wir uns jeweils von 15-17°° Uhr im Archiv:
19. Januar
16. Ferbruar
16. März
27. April
18. Mai
22. Juni
20. Juli




1. Ausstellung

Leben und Arbeiten der Italiener in Bobingen 




Ungewöhnliches Mitglied der Archivgruppe

Seit September 2010 treffen sich regelmäßig 7-10 Interessierte, um gemeinsam im Stadtarchiv zu den Themen – 100 Jahre 1. Weltkrieg und Wasser in Bobingen zu recherchieren und die Ergebnisse später zu geeigneten Terminen zu veröffentlichen.
Von Mal zu Mal kommen alle besser zurecht, sei es entsprechende Unterlagen zu finden oder alte Schriften zu lesen. Dabei findet man nicht nur interessante, vergessene, unbekannte oder lustige Informationen, sondern auch ein ungewöhnliches neues Mitglied in den Kellerräumen. Seit Dezember gehört nun eine Maus zu den Mitgliedern. Da es der Maus aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt ist, im Archiv zu sein, bat sie uns, zusammen mit uns arbeiten zu dürfen. Sie wird deshalb ab sofort die Veröffentlichungen der Archivgruppe übernehmen und an dieser Stelle regelmäßig berichten. Natürlich fand die Archivmaus an ihrem ersten Recherchetag schon „mauswichtige“ Dokumente.
Lassen Sie sich überraschen, was zukünftig so alles gefunden wird.




 

Archivmaus Nr. 34

Die Museumsmaus der Hochsträßler staunte bei der diesjährigen Sonderausstellung nicht schlecht, als sie Besuch von der Archivmaus bekam. Die Mitglieder der Archivgruppe brachten aus dem Archiv der Stadt kistenweise Geschenke mit, die die Stadt im Laufe der Jahre von Gästen bei deren Besuchen erhalten hatte. Die Geschenke, die meistens nur die Gäste und die Beschenkten kennen, sollten einmal der Öffentlichkeit gezeigt werden. Im Schulmuseum präsentiert, konnten die Gäste der Eröffnungsveranstaltung etwas darüber erfahren, wie es zu den Geschenken kam und was für Geschichten damit verbunden sind. Bürgermeister Bernd Müller eröffnete die Ausstellung und bedankte sich bei der Archivgruppe für die Idee zur Ausstellung. Er brachte zum Ausdruck, dass jedes Geschenk immer mit einer bestimmten Motivation und stets von Herzen gegeben wurde und wusste manche Episode zu erzählen. Frau Waltraut Wellenhofer berichtete darüber, wie es zur Partnerschaft mit Aniche kam. Herr Terschanski erzählte über seine Erlebnisse in Tschernobyl und das Engagement für die betroffenen Kinder. Herr Vogl von der Stadtkapelle Bobingen erklärte, wieso die Stadtkapelle 1985 aus der Hand des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker die ProMusika Plakette für den Nachweis einer mehr als 200jährigen Musikgeschichte erhielt und was es mit der Uraufführung des Musikstücks „Unser Bürgermeister“ auf sich hat. Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung war die originale Olympiafackel von 1972, mit deren Geschichte der Zeitzeuge Herr Stromer die Zuhörer lebhaft in seinen Bann zog. Die Zithergruppe der Hochsträßler bildete den musikalischen Rahmen der Eröffnungsveranstaltung.
Neben Bierkrügen, Medaillen, Urkunden, Bildern, Büchern, Pokalen, Vasen, Schalen, Kannen, Zinntellern, Schallplatten u.v.a.m waren an einer Wand auch Kopien aus dem Goldenen Buch der Stadt Bobingen ausgestellt.
Während des Christkindlmarktes sahen viele Besucher die Sonderausstellung und fanden es sehr interessant die Geschenke einmal gesammelt zu sehen.
Die Museumsmaus und die Archivmaus hörten während der Öffnungszeiten viele Gespräche und konnten ihren Augen und Ohren nicht trauen, als plötzlich ein kleiner Junge mit seinem Vater und seiner Großmutter mit einem sehr schweren Geschenk auftauchte.
Der kleine Junge Leonid tauchte in der alten Küche des Hauswirtschaftsmuseums auf und wollte ein Geschenk auf der alten Küchenwage auswiegen. Nach 5kg war die Waage im Gleichgewicht  und er lüftete das Geheimnis. Leonid Schmid und seine Oma Ruth Oettle aus Augsburg fanden das Museum-Stüble so wunderschön, dass sie der Museumsmaus ein altes 5kg Gewicht schenkten, mit dem die Urgroßeltern von Leonid früher die Kartoffeln gewogen haben.
Nun steht dieses Gewicht neben der Waage und andere Besucher können sich daran erfreuen. Die Museumsmaus dankt dem Leonid und seiner Oma ganz herzlich.




 

Archivmaus Nr. 33

Bei den Recherchen im Archiv stießen wir auch auf Gastgeschenke, welche die Stadt Bobingen so im Laufe der Jahre erhielt.
Die Archivgruppe präsentiert diese in der diesjährigen Sonderausstellung der Öffentlichkeit. Bürgermeister Bernd Müller und Zeitzeugen werden bei der Ausstellungseröffnung zu einigen Exemplaren Interessantes zu erzählen wissen.




Archivmaus Nr. 32

Da im November am 11.11. die Faschingszeit wieder beginnt und das Thema Steuern immer aktuell ist, will die Archivmaus den folgenden Artikel aus der Bobinger Zeitung vom 26.2.1927 nicht unterschlagen. Wie immer stets aktuell.
"Eine denkwürdige Faschingsrede über die Steuern
Steuerüberschätztes, der Pfandbrief- und Hypothekenaufwertung entgegenstehendes, um Bank- und Sparkassenfriedenseinlagen herumgekommenes Auditorium!
Z´erst bin i no an mein Stammtisch ganga, ins Gasthaus zum Wapperl-Affen, da hab ich mich vorbereitet auf mei Red´, mit dreimal drei Quartl und a Lunga mit Knödl. Früher hab i sowas net o´g´schaut, solangs mir als vierstöckigen Hausbesitzer no a Kalbshaxn g´litt´n hat, mit so zwoarahalb Pfund ohne Boa! Aber seitdem ich durch Gottes unerforschlichen Ratschluß und unter gütiger Mitwirkung der verschiedenen Finanzminister, die mir in dö letz´n paar Jahrl´n g´habt ham, zum Kleinrentner heruntergesunken----- worden bin, kenn i a Kalbshaxn bloß no dem Namen nach.
Am Stammtisch ham mir uns dann über die letz´n Ereignisse und neuesten Neuigkeiten unterhalten!
Ham Sie´s scho g´hört: neue Steuern soll ma wieda kriegn! Neue Steuern! Das i net lach! Neue Steuern! Wo mir die alt´n no net zahlt ham!
Is ja wohr aa! Grad spar´n und hausn muaßt, doß d´ wenigstens d´ Steuern auf d´ Seit´n bringst! Liaba sollt´d´ Frau denselben Huat zehn Jahr lang trag´n, als d´mit dö Steuern hint bleibst! Und wenn dir vor lauter Kohldampf und Durscht der Mag´n schö langsam zuawachst, nacha krieagst höchstens no a Zuwachssteuer naufg´haut! -----
Da möcht´i scho amal frag´n: Mit welchem Recht verlangt der Staat überhaupt Steuern von uns?
Die Frage ist vor 2000 Jahren scho amal angschnitt´n word´n, wie aus der Schrift zu entnehmen ist, indem daß damals ein gewisser Herr Pharisäer g´fragt hat, ob er Steuer zahl´n muß, worauf er die Antwort kriagt hat: Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was Kaisers ist!
Guat - soll gelten! Aber nachdem wir jetzt koan Kaiser mehr ham - was dann? I woaß net, ob mir den Prozeß net gwinna tatn, bal mir alle zamstehad´n und uns auf den Wortlaut dieser ersten Steuergesetzgebung versteifat´n! Bloß´an guaten Rechtsanwalt brauchat ma! Vielleicht dem Barmat den sein´, nacha kriagat ma vielleicht no was raus zahlt.
" Früher hats ja a a Steuer geben und neamt hat sich drüber aufgeregt" - so wird von der Gegenseite behauptet! Ja mei früher! Dö Steuern hat ma ja kaum g´spürt, da war´s Steuerzahln direkt a Vergnügen gegen heut, ….."
Wer wissen möchte, wie es weiter geht und Lust hat, ebenfalls im Archiv zu recherchieren, meldet sich doch einfach bei Corinna Kammerer Tel 41375 und kann dies alle 14 Tage zusammen mit anderen Gleichgesinnten im Stadtarchiv tun.




Archivmaus Nr. 31

Herbst ist Erntezeit. In diesem Zusammenhang stießen wir auf einen seltenen„Beruf“.
In der Bobinger Zeitung vom 22. Oktober 1965 kann man Folgendes lesen:
„Auf Grund des §9 des Gesetzes über Bodennutzungs- und Ernteerhebung vom 23. Juni 1964 findet eine allgemeine Zählung der Obstbäume und Johannisbeersträucher auf dauerndem Standort an Ort und Stelle statt. Bei der Zählung werden Obstart, Baumform, Stand der Ertragsfähigkeit und Standort ermittelt. Auskunft pflichtig sind nach dem Gesetz die Nutzungsberechtigten der Obstbäume, das sind die Eigentümer, Nießbraucher oder Pächter.(…) alle Grundstücks- und Gartenbesitzer werden gebeten, den gemeindlichen Zählern die zur Erhebung notwendigen Angaben lückenlos zu machen und ihnen Zutritt zu ihren Gärten zu gewähren.“
Das Gesetz gibt es in veränderter Form – Anpassung an die EU-Richtlinie 1976 – noch. Den Obstbaumzähler gibt es also immer noch. Im 5jährigem Abstand wird eine Obstbaumerhebung im Marktobstbau durchgeführt und zwar abwechselnd total und repräsentativ. Wer dem Obstbaumzähler den Zutritt verweigert, handelt gesetzeswidrig.




Archivmaus Nr. 30

"Parfümtipps" für die Aufzucht von Ferkeln fand die Archivmaus in der Bobinger Zeitung vom 22.1.1927.
So steht dort geschrieben:
"Vorsicht bei eben geworfenen Ferkeln!
Es kommt vor, daß eine Sau bald nach dem Werfen ihren Ferkeln das Saugen nicht gestatten will und die sogar durch Bisse vertreibt. In solchen Fällen ist mit Gewalt nichts zu machen. Es gibt aber ein probates Mittel, um die unsanfte Mutter zu einer liebevolleren Behandlung ihrer Kinder zu veranlassen. Man bestreiche die Rücken der Ferkel mit etwas Branntwein. Dann wird die Sau ihre Jungen erst beschnüffeln, sich dann ruhig hinlegen und die Kleinen saugen lassen."




Archivmaus Nr. 29

In der Bobinger Zeitung vom 28.Juni 1928 haben wir einen interessanten Artikel gefunden, aus dem wir hier auszugsweise zitieren wollen, da er doch recht gut auch in unsere Zeit passt, wo doch gerade Diskussionen zum Thema Frauen, Beruf, Karriere, Quoten, Herdprämien,Kinderkrippen, Ganztagsschule,... stattfinden.
" Die Karriere der Frau.
Wer hätte einst gedacht, daß eine Zeit kommen wird, in der auch Frauen entschlossen sein werden, eine Karriere zu machen? Seit urdenklichen Zeiten war dies ein Vorrecht des Mannes. Während die Frau, ihre Kräfte in der Enge der Häuslichkeit oder in einem der Häuslichkeit angeschlossenen und selbstverständlich vom Manne geleiteten Betriebe verausgebend, besten Falles den ihr von allen sie umgebenden Stimmen zugeraunten Ehrgeiz besaß , eine tüchtige Hausfrau und Mutter zu sein, stand dem Manne die Weite der beruflichen Welt und damit alle Möglichkeit eine Karriere zu machen, offen…."
Es wird weiter erwähnt, dass höhere Töchter einen Beruf ergriffen und auch diese als widernatürlich bekrittelt wurden, aber es oft auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich war, dass ein Mann alleine einen Haushalt erhalten konnte oder die Frau nicht genug Mitgift mitbekam.
"…Trotzdem wird ihr Beruf in die zweite Kategorie geschoben und als nebensächlich behandelt. "Der Mann ist von Natur aus dazu bestimmt, die Familie zu erhalten." Diese von der Entwicklung des wirtschaftlichen Geschehens lang überholten Idee ist der eiserne Reifen, der das Denken an die Berufschance der Frau einschnürt. Selbst wenn die Frau einen höheren Beruf ausübt und zum Familienhaushalt mehr beizusteuern vermag als der Mann, ist es eine Karriere, der alle Wünsche und Hoffnungen gelten und der auch unbedenklich Opfer gebracht werden.
Auch von der verheirateten Aerztin, Lehrerin, Juristin, Beamtin usw. wird erwartet, daß sie, die Sorge um die Familie voranstellt, ohne Zögern ihre Berufsarbeit benachteiligt oder einengt, wenn häusliche Pflichten sie rufen. Die Frau ist im Wandel der Zeiten ebenso berufspflichtig geworden wie der Mann. Aber sie hat es immer noch nicht erreicht, daß ihr Beruf als Fundament ihres Lebens gewertet wird, daß auf ihre Karriere volle, uneingeschränkte, von seinem Gedanken an die Familie getrübte Rücksicht genommen wird. Auch wenn die Frau die beruflich tüchtigere, die beruflich erfolgreichere ist, gilt sie nur als Mitverdienerin in der Ehe, weshalb ihre Karriere weniger interessiert als die Art und Weise, wie sie neben ihrer Berufstätigkeit ihre Familienpflichten erfüllt.
Sicherlich trägt dieser Umstand viel dazu bei, daß die Frauen sich in Ihrem Beruf selten sicher fühlen, ja daß sie nur allzuoft willig sind, die Ausübung ihrer Berufsarbeit als Episode in ihrem Dasein zu betrachten…."
Es wird dann weiterhin ausgeführt, das für die Pflege der Eltern oft unverheiratete Frauen ihren Beruf aufgeben mussten anstelle der auch ledigen Brüder.
Als Zusammenfassung steht geschrieben:
"… Ist es nicht an der Zeit, zu erkennen, daß die Notwendigkeit der Erwerbsarbeit auch für die in qualifizierten oder höheren Berufen stehende Frau die Konsequenz hat, sich um ihren beruflichen Aufstieg, um ihre Karriere zu bemühen? Und ist es nicht ebenso wichtig, einzugestehen, daß die Karriere der Frau, die ihrem Beruf auch in der Ehe treu bleibt, für das Wohlergehen der Familie ebenso bedeutungsvoll ist, wie die Karriere des Mannes?"
Wohlbemerkt ist dieser Artikel aus dem Jahre 1928!!




Archivmaus Nr. 28

Bei unseren Recherchen zum 1. Weltkrieg stießen wir in den Archivakten aus Waldberg auf ein interessantes Buch – „Protokollbuch zum Sühneversuch 1881-1948“. Ein solches Buch gab es auch in den Akten von Straßberg und Reinhardtshausen.
Doch was ist ein Sühneversuch?
Wikipedia sagt dazu: „ Das Sühneverfahren ist nach deutschem Strafprozessrecht ein vorgerichtliches Verfahren, das bei bestimmten Straftaten durchgeführt werden muss, bevor durch den Verletzten sog. Privatklage vor den Strafrichter erhoben werden kann.“ Dies soll die Gerichte von zu vielen Privatklagen entlasten und den Frieden in einer Gemeinde wahren.
Es wurde damals und wird heute durchgeführt insbesondere bei Ehrenkränkungen/ -verletzungen, Beleidigung, Verleumdung und falscher Anschuldigung oder auch bei öffentlicher Beschimpfung.
Dazu mussten damals der Beklagte und der Kläger beim Bürgermeister erscheinen. Die Sühneversuche wurden protokolliert. Es gab wie heute nicht immer eine Einigung. Doch wenn, dann wurden Strafen, wie Spenden/Sühne (5M, 10M bei Nichterscheinen) für die Armenkasse, Entschuldigung (auch öffentlich) vereinbart.
So klagte zum Beispiel ein Vater gegen seinen Sohn und dessen Ehefrau auf Erfüllung des Austrags. In einem Austrag (bäuerlicher Altenteil) war damals vereinbart, was den Alten als ehemaligen Hofbesitzern nach Übergabe des Hofes an die Jungen zustand. Dieser Vater beklagte solche Dinge, wie das schlechte Essen, die nicht geflickte Wäsche, das kalte Zimmer, den fehlenden Zugang zu den restlichen Räumen des Hauses, schlechte Behandlung durch die Schwiegertochter,….
Wer zu diesen Themen und dem Leben damals mehr erfahren möchte, für den lohnt sich ein Besuch der Dauerausstellung „Vom Wohnen auf dem Land“ des Schwäbischen Volkskundemuseums in Oberschönenfeld. www.schwaebisches-volkskundemuseum.de
Andere Protokolle gingen um üble Nachrede und Verleumdungen, die sich oft recht lustig nachlesen und die damals wie heute stattfinden. Nicht umsonst klagen die Gerichte über unzählige Privatklagen wegen Nachbarschaftsstreit. Doch die Archivmaus schweigt zu diesen Details. Es hat sich wieder nichts geändert in den letzten 100 Jahren.
Archivarbeit ist also doch keine so „trockene Arbeit“ und wer Lust hat, kann sich gern anschließen und mit uns im Archiv recherchieren.
Wir treffen uns alle 14 Tage (gerade Wochen) von 16-18Uhr im Rathaus.




Archivmaus Nr. 27

Neulich traf ich doch schon wieder die Museumsmaus und fragte diese, ob sie schon einmal von einem Siegel gehört hätte. Die Museumsmaus ist stolz, dass ich einmal etwas von ihr wissen will. Sie sprudelt los: " Bei mir im Museum gibt es einen Siegelstock der angeblich mehr als 300 Jahre alt ist. Er soll das Siegel der Pergamenter-Zunft sein".
Diesen wollte ich natürlich sofort sehen, aber die Museumsmaus sagte mir, dass dieser in einer Glasvitrine wäre und sie dort nicht reinkomme. Sie konnte es aber gut beschreiben.
Er sei größer als die Museumsmaus und schaue ziemlich schwer aus. Man müsse eine Männerfaust haben, so dick sei der Griff. An einem Ende befinde sich eine Platte mit einem Muster. Sieht fast wie ein Stempel aus.
Nach einigem Überlegen konnte sie sich sogar an den Text erinnern, der darauf steht. " ...SIG EIN EHRS HANDWERCKS DER PERCHAMTERS IN AUGSPURG" Ein bisschen komisches Deutsch, aber so wurde damals geschrieben. In der Mitte sieht man drei Schabeisen. Da plötzlich erinnert sich die Museumsmaus, dass solche Schabeisen auch im Museum liegen. Das scheint wohl das Werkzeug der Pergamenter zu sein.
Da wurde ich natürlich noch neugieriger und wollte wissen, was man mit dem Siegel machte. Da erinnerte sich die Museumsmaus, was beim Aufbau der Sonderausstellung "Das Pergament - worauf man zu schreiben pfleget" so gesprochen wurde und konnte folgendes erklären.
"Das Siegel war für die Pergamenter-Zunft wichtig. Es gehörte in die Zunftlade oder Zunfttruhe, wo die Zünfte die Zunftrolle und ihr Geld aufbewahrten. Der Zunftmeister hat mit dem Siegel mal einen Brief versiegelt oder eine Urkunde besiegelt, damit sie für alle gültig war. Man erwärmte einen sogenannten Siegellack, tropfte diesen auf den Rand des Papiers und drückte das Siegel dort hinein und ließ den Lack erkalten. Dann sah man das Muster des Siegelbildes im Lack."
Nach dieser Erklärung war mir mehr unklar als vorher. Was waren denn schon wieder Zünfte? Doch die Museumsmaus hatte bei den Führungen durch die Ausstellung gut gelauscht und erklärte, dass früher die Handwerker zu einer Zunft gehörten, was ungefähr sowas ist, wie die Handwerkskammer heute. Viel über die verschiedenen Zünfte und deren Aufgaben und Regeln kann man im Handwerkermuseum in Augsburg erfahren. Ein Besuch dort soll sehr interessant sein.
Wenn auch sie neugierig geworden sind und den Siegelstock der Pergamenter und viele weitere Exponate ums Pergament anschauen wollen, dann besuchen Sie doch die Sonderausstellung im Museum.




Archivmaus Nr. 26

Im Bobinger Schulmuseum fallen die alten Schulbänke ins Auge, die hart und eng wirken, doch für die Schüler ganz praktisch waren: Sie waren stabil, die Schreibfläche war schräggestellt, mit einem Ablagefach darunter; oft gab es Klappsitze, damit die Schüler rasch zu einer Antwort aufspringen konnten; eine Rille verhinderte, dass Federkästchen oder Stift und Federhalter abrutschten. Und alle Pulte hatten ein Tintenfäßchen, ob aus Glas oder Porzellan, eingesetzt in eine Blechhalterung, mit einem klappbaren Blechdeckel. Es war die Aufgabe des Hausmeisters, diese mit der Tintenkanne nachzufüllen. Das im Internet veröffentlichte Kassen-Tagebuch der kleinen Landgemeinde Burggen verzeichnet als Ausgabe im April 1908: „Emmeil Tinten Kanne 2,50“ (Mark).

Auch in unserem Museum gibt es eine Tintenkanne unbekannter Herkunft, eine Ulma Tinten-Kanne der Fa. Heinrich Emmerling in Gauting (Chem. Laboratoriums-Tintenkonzentrate und Schulkreiden Hch Emmerling). Diese Firma war 1891 gegründet worden und besteht heute noch als „Ulma Schulmöbel und Kreiden“ (bzw. Ulma Schul- und Objekteinrichtungen). Freilich gibt es keine Tintenkannen mehr zu kaufen. Und Schreibfedern und Federhalter und Tinte zählen auch eher zum Künstler- als zum Schulbedarf.




 

Archivmaus Nr. 25

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wenn man beim Stöbern im Archiv auf Texte stößt, diese liest und plötzlich feststellt, dass die Themen brandaktuell sind, aber der Text knapp 100 Jahre alt ist!
So ging es uns beim Lesen folgenden Textes:
"Geistig Arbeitende sollten nie vergessen, daß Überanstrengung die Nerven schädigt und Nervosität und Neurasthenie (Anmerkung Archivmaus: Hauptsymptom der Neurasthenie ist die Erschöpfung und Ermüdung) hervorbringt. Wenn der Kopfarbeiter fühlt, dass das Gehirn ermüdet, die Denkarbeit anfängt Unbehagen zu bringen, große Anstrengung erfordert, Druck im Kopf, Hitzegefühl entsteht, so soll er die Arbeit unterbrechen, und wenn möglich einen Spaziergang im Freien machen, mindestens aber auf einige Zeit eine Arbeit vornehmen, die mehr mechanischer Natur ist und nicht viel Denken erfordert. Die genannten Erscheinungen sind ein Warnruf der Natur, dass das Gehirn erschöpft ist und der Erholung bedarf. Wer diesen Warnruf nicht beachtet, wird dies büßen müssen, denn jede Überanstrengung, sei sie körperlicher oder geistiger Natur, bringt ernste Folgen, besonders wenn sie dauernd vorkommt."
Quelle: Die Kneipp-Kur, Wörishofer Blätter für die Volksgesundheitspflege, Organ des Verbandes der Kneippvereine Nr. 1/1917)
Kommt uns doch irgendwie bekannt vor.
Heute nennt man es Burnout und diskutiert öffentlich darüber. Früher war dies eher ein Tabuthema. Also doch keine "Modeerscheinung", gibt es schon lange!
Ein lustiges Thema fanden wir in Ausgabe 2/1917 unter Vermischtes:
"Stöckelschuhe. Ein Gedicht, dass vor ca. 11 Jahren in der "Jugend" erschien (Anmerkung Archivmaus: war dann also schon 1906) , ist heute wieder zeitgemäß, denn der Stelzenschuh ist auch gegenwärtig wieder Modetrumpf. Das Gedicht lautet:
Wann kommt der Tag, wo stolz und unerbittlich
Die Frau zu Schneiderin und Schuster spricht:
Das Weibsbild Mode find ich widersittlich -
Mag sie befehlen, ich gehorche nicht!"
Die Archivmaus musste feststellen, dass auch nach 100 Jahren die Frauen dies nicht sagen. Kommen doch die weiblichen Archivmitglieder immer noch mit den damals sogenannten "Stelzenschuhen".




Archivmaus Nr. 24

Bei unseren Recherchen zum 1. Weltkrieg stießen wir im Buch von Georg Fritz über „Das Untere Dorf in Bobingen“ auf ein Foto aus dem Jahre 1944. Auf diesem Foto sind Heilige Drei Könige vor der St. Wendelin Kapelle dargestellt. Von links: Alois Jaser, Anton Wölfle und Ludwig Stadler

Unser Archivmitglied Wilbert Kemper ging dieser Spur nach und traf sich mit Alois Jaser (78Jahre) und Ludwig Stadler (79Jahre) im Sommer letzten Jahres. Anton Wölfle der 3. König im Bunde starb leider schon 2006 im Alter von 75 Jahren und konnte deswegen dem Treffen nicht mehr beiwohnen. Die verbliebenen zwei „Könige“ Alois Jaser und Ludwig Stadler ließen sich an gleicher Stelle, wie 1944 erneut vor der St. Wendelin Kapelle fotografieren, diesmal allerdings ohne Schminke und Kostüm. Zwischen beiden Fotos liegen 68 Jahre und ein ereignisreiches Leben.
Ludwig Stadler kannte den Spruch von 1944 noch:Es kommen die Heiligen drei Könige mit ihrem Stern.
Sie suchen den Herrn und finden ihn gern.
Sie kommen vor Herodes Haus.
Herodes schaut zum Fenster raus und sprach mit trotziger Stimm:
"Warum ist der hintere König so schwarz?"
Er ist so schwarz. Er ist so schwarz.
Er ist uns wohlbekannt.
Drum kommen wir aus dem Morgenland.
Vergelt's Gott! Segensgott!




 

Archivmaus Nr. 23

Die Museumsmaus lief mir neulich auf dem Rathausplatz in Bobingen über den Weg und stöhnte. Es sei überhaupt keine Ruhe mehr im Museum. Erst wurde die Hutausstellung vom letzten Jahr abgebaut und nun würde rumgerückt und eine neue Sonderausstellung aufgebaut. Sie wisse gar nicht, was dieses Zeug alles sei. Lauter Holzrahmen, Papiere, Werkzeuge und Bilder. Sie erzählte mir, dass das Papier so komisch aussähe und teilweise fest und dick sei und dass es alte Bücher geben soll, die in solches Papier sogar eingewickelt sind. Sehr eigenartig meinte sie. Sie hätte auch das Gefühl, dass dies irgendwie mit Tieren zu tun hätte. Aus den belauschten Gesprächen wurde sie auch nicht schlau. Beim Aufbau der Ausstellung hörte sie auch einen Satz, „..dass dies ja auf keine Kuhhaut gehe“. Da war mir klar, wovon die Museumsmaus sprach. Ich kenne dieses „Papier“ aus meinem Archivleben. Es handelt sich um Pergament und nicht um Papier. Aber nicht wie mancher denkt um das Butterbrotpapier oder das Pergamentpapier für technische Zeichnungen. Gemeint ist das echte Hautpergament. Davon wird also die neue Sonderausstellung handeln. Diese wird bestimmt interessant.
Aber woher kommt diese Redewendung von der Kuhhaut?
„Ursprünglich kommt die Redensart aus dem Mittelalter. Damals waren die Menschen davon überzeugt, dass all ihre Sünden aufgeschrieben werden, damit nur ja keine vergessen wird. Am Tag des Jüngsten Gerichts sollte dann anhand der Liste mit Sünden entschieden werden, ob man in den Himmel oder in die Hölle kommt. So glaubte man es jedenfalls. Je weniger Sünden man zu Lebzeiten begangen hatte, desto besser würde man am Tag des Jüngsten Gerichts natürlich wegkommen.
Derjenige, der die Sünden der Menschen aufschrieb, war niemand anderes als der Teufel höchstpersönlich. Er notierte die kleinen und großen Sünden der Beichtenden auf Pergament. Das wurde aus der Haut von Schafen, Ziegen und Kälbern hergestellt. Auch aus der Haut einer Kuh konnte man Pergament herstellen. Das Stück Pergament aus der Kuhhaut war dann im Verhältnis zu dem aus der Ziegenhaut viel größer.
Und dennoch: wenn jemand schrecklich viel zu beichten hatte, passten all die Sünden eben nicht einmal auf eine Kuhhaut!
Übrigens: eine ausgewachsene Kuh ist ca. 2 Meter 50 lang, 1 Meter 50 hoch und 80 cm breit. Das macht also insgesamt ungefähr 4 Quadratmeter Kuhhaut. Da musste man schon ganz schon viel gesündigt haben…“
Quelle: www.wdr.de/tv/wissenmachtah/bibliothek/kuhhaut.php5




Archivmaus Nr. 22

Bei Stöbern in den Regalen stießen wir auf einen Karton. Und plötzlich fanden wir „die“ Steinaxt. Über diese wusste Georg Fritz bei der letzten Stadtführung zu berichten: „Der Landwirt Adalbert Fischer fand 1988 auf dem Flurstück „Hagemausgeren“ ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit, welches zu den ältesten Bobinger Funden (5000-1700 v. Ch.) gehört“
Die Jungsteinzeit, auch Neolithikum (vom altgriech. νέος neos ,neu, jung‘ und λίθος lithos ,Stein‘), ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte, deren Beginn mit dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen definiert ist. (Quelle: Wikipedia)
Damit hatten wir dieses Fundstück, ein Zeugnis der früheren Bewohner des Bobinger Raumes, wahrhaftig in unseren Händen. Es war als hätten wir diese Axt selbst entdeckt. Unglaublich. Dies hätten wir im Archiv nicht erwartet.
Wie wurde damals so eine Axt hergestellt fragt man sich? Dazu findet folgendes:
Zuerst wurde die Form des Steinbeiles grob zurecht gepickt und dann die Schneide und meist auch die Oberfläche auf einer Sandsteinplatte glatt geschliffen. Oft hat man den Beilkörper noch für eine Schäftung durchbohrt. Hierfür dürfte man eine Vorrichtung verwendet haben, bei der ein Hohlbohrer (Knochenstück oder Teil eines Holunderastes) durch eine Bogensehne angetrieben wurde. Als Schleifmittel verwendete man Sand. Infolge der Abnützung während des Bohrvorganges entstand im Inneren des Hohlbohrers ein konischer Bohrkern (Quelle: www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Steinbeile.htm)




 

Archivmaus Nr. 21

Im Archiv ist es manchmal auch langweilig für eine Archivmaus wie mich und vor allem gibt´s da nichts zum Essen. Papier schmeckt nämlich nicht so gut. Dabei sind es oft ganz bunte Blätter. Ich konnte nicht widerstehen und habe eines angeknabbert, nur ein klein wenig. Dann habe ich es mir das Blatt mal genauer angesehen. „Bobinger Volksfest“ stand da. Leider war das Plakat von 1992. Ich machte mich auf die Suche in Bobingen und tatsächlich, es gab auch 2012 noch ein Volksfest. Das Bier war aber teurer, es kostete nicht mehr 6,40 DM wie 1992. Ich wollte mehr wissen. Also ging ich, nachdem ich einiges gekostet hatte, was die vielen Menschen so verloren haben an Essbarem, wieder ins Archiv. Was war noch anders? Der Markt war 2012 nur einen Tag. Schade, die vielen Kuchen beim Schwimmbad waren sehr verlockend. Alle waren selbst gebacken. Das Volksfest dauerte aber dieses Jahr einen Tag länger. Die Rückseite vom Plakat sieht ja recht ähnlich aus wie vor 20 Jahren, aber vorne schaut es seit 1993 immer fast gleich aus, da weiß man gleich, um was es geht. Die Schwarzachtaler spielten damals auch schon und sogar der Festwirt war damals schon Familie Lanzl. Was im Festzelt so alles von den Tischen fiel, lecker. Ich hatte so jeden Tag „dolce vita“, nicht nur am Dienstag. Schade, dass das Bier seit 2008 nicht mehr von der Kirchbräu Bobingen kommt, aber gut schmeckt das aus Kaufbeuren auch und billiger als auf dem Oktoberfest ist es allemal, da kostet die Maß bis zu 9.50€. Einmal kam das Bier sogar von der Löwenbräu. Ich freu mich schon auf das nächste Volksfest und auf den Markt, den es übrigens schon seit 1951 gibt. Damals war er aber kleiner und auch das Festzelt stand woanders. Ich wüsste zu gerne, was damals die Maß gekostet hat. Weiß es noch jemand? Gab es damals auch schon einen Kinder- und Seniorennachmittag mit billigeren Preisen?




Archivmaus Nr. 20

Der Hexenglaube war im Mittelalter stark verbreitet. Auch Bobingen blieb davon nicht verschont und der Hexenglaube ging in Bobingen sogar bis anfangs der 1950er Jahre um. Davon zeugen auch noch Namen wie das „Hexengässle“ und Flurnamen, wie „Hexenberg“ in Straßberg, wie Georg Fritz bei seinen Führungen zu berichten weiß. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn man in der Bobinger Zeitung von 1928 einen recht lustigen Artikel zum Thema Hexen findet. Dort steht zu lesen:
„Anno 1770 hat das Pariser Stadtparlament folgendes Edikt erlassen. Wer einem männlichen Untertanen Seiner Majestät mit Hilfe von Rot und Weiß, Parfüms, Essenzen, künstlichen Zähnen, falschen Hüften und dergleichen in die Bande der Ehe lockt, wird wegen Hexerei verfolgt und die Ehe wird für nichtig erklärt.
Europa wie hast du dich verändert! Wäre dieser Erlaß der Pariser Stadtväter heute noch gültig, müßten 99,9% der holden Weiblichkeit den Scheiterhaufen besteigen.“
- Letzte Anfügung stammt wohlgemerkt aus dem Jahre 1928!! –
Was man beim Stöbern doch so alles findet.
Sollten auch Sie Lust verspüren, alle 14 Tage mit der Archivmaus in den alten Akten im Rathauskeller zu stöbern, so kommen Sie doch einfach vorbei. Wir freuen und auf weitere Archivmitglieder, die uns bei der interessanten und auch lustigen Arbeit unterstützen wollen.




Archivmaus Nr. 19

Es gibt doch wirklich noch mehr Verwandte, von denen ich als Archivmaus erst jetzt erfahren habe. So habe ich neben der Mühlenmaus auch noch eine weitere Verwandte im Museum der Hochsträßler kennengelernt - die Museumsmaus.
Nun sind wir ein Trio und können aus verschiedenen Bereichen über Historisches berichten.
Und die Museumsmaus hat ja so viel zu berichten von den Museumsgegenständen, alten Handarbeitstechniken oder gar von Geschichten aus dem alten Schulsaal. Da muss es ja zugegangen sein!
Im Museum ist auch eine Sonderausstellung über die Arbeit der Hutmacherin und Auszüge aus dem Leben der Hutmacherin Walli Sindl.
Die Museumsmaus hat mir auch gleich einen interessanten Gegenstand gezeigt. Zuerst dachte ich, es sei ihre Wohnung, so schön gemütlich aus Holz, mit Löchern. Doch die Museumsmaus sagte, dass es sich um ein Butterfass handelt. Mit Butter haben wir es im Archiv nicht so, denn Fettfinger sind bei alten Dokumenten nicht erlaubt.
Meine neue Verwandte, die Museumsmaus erklärte mir, dass man unter einem Butterfass eine Tonne (meistens aus Holz) versteht, in die der abgeschöpfte Rahm durch Bewegung in Butter gewandelt wird. Bei diesem Butterfass handelt es sich um ein Schlagbutterfass mit horizontaler, mit Schlägern versehener Welle.




 

Archivmaus Nr. 18

Es ist vollbracht. Die erste öffentliche Ausstellung der Archivgruppe kann nun bis 19.September 2012  in den 3 italienischen Lokalen in Bobingen angeschaut werden. Die Ausstellung wurde im Rahmen des bayernweiten Projektes „Stadt.Geschichte.Zukunft“  erstellt.
Bei der Ausstellungseröffnung am 19.Mai 2012 neben den Eiscafe Lazzaris ließ es sich das Wetter nicht nehmen, mit Sonnenschein und warmen Temperaturen seinen „italienischen“ Beitrag zur Ausstellung „Leben und Arbeiten der Italiener in Bobingen“ zu leisten. Mit Mandoline und Gitarre unterhielt ein italienisches Musikerduo die Besucher. Auf einer Wäscheleine wurden die Plakate präsentiert und man konnte ein Eis genießend an dieser entlang schlendern und lesen. Die in Mappen zusammengefassten Plakate wurden den drei italienischen Lokalbesitzern übergeben. Nun können die Ergebnisse der Archivrecherchen sowie Lebensgeschichten von in Bobingen lebenden Italienern bei einem guten Essen, einem Glas Wein oder einem leckeren Eis in Ruhe gelesen werden. Einfach in den Lokalen nach den dort ausliegenden schwarzen Mappen fragen und sich dann auch noch am Quiz beteiligen. Wer kann sonst schon beim Essen eine Ausstellung ansehen?  Als Archivmaus bin ich richtig stolz auf unsere erste Ausstellung und wünsche allen ebenso viel Spaß beim Lesen, wie die Mitglieder der Archivgruppe beim Erstellen hatten.




 

Archivmaus Nr. 17

50 Jahre öffentlicher Münzfernsprecher in Bobingen
Wie bereits berichtet wurden bei Baumaßnahmen im Rathaus auch die Akten der Baubehörde sortiert. Mitarbeiter des Kulturamtes fanden dabei die Unterlagen über den ersten öffentlichen Münzfernsprecher außerhalb des Postamtes in Bobingen. Diese waren so interessant, dass die Mitglieder der Archivgruppe der Hochsträßler die Chronologie im Stadtboten im Januar veröffentlichte (siehe auch unter www.hochsträßler.de ).
Der Weg durch die Instanzen bis zur Genehmigung des ersten Münzfernsprechers in Bobingen war lang und dauerte 8 Jahre.
Dabei haben wir ganz übersehen, dass es dieses Jahr genau 50 Jahre her ist, dass Bobingen die Genehmigung erhielt und der erste öffentliche Münzfernsprecher aufgestellt wurde. Dies nahmen die Archivmitglieder zum Anlass am 20.März 2012, an einer noch vorhandenen „Gelben Telefonzelle“ des Jahrestages zu gedenken!
Denn man glaubt es kaum, dass nach nur 50 Jahren die öffentlichen Telefonzellen so gut wie vollständig aus dem Stadtbild wieder verschwunden sind. So rasant hat sich die Technik entwickelt, dass nahezu jeder über ein Handy verfügt. Die ältere Generation benutzt teilweise noch nicht die neue Technik. Die junge Generation hingegen wird sich fragen, warum es noch solche Telefonzellen gibt, die doch niemand mehr braucht und die man teilweise gar nicht mehr bedienen kann. Denn wer hat schon noch eine Telefonkarte? Viele Telefonzellen konnte man ja gar nicht mehr mit Bargeld bedienen, sondern nur noch mit einer Karte. Mittlerweile dienen die verbliebenen Telefonzellen als Notruftelefone und gehen wieder mit Geld. Viele Telefonzellen sind auch nicht mehr im Stil einer alten gelben Zelle, sondern nur noch Säulen mit einem Telefonapparat. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die letzte Telefonzelle aus dem Stadtbild verschwunden ist. Doch die Archivgruppe möchte an den langen Weg bis zur ersten „öffentlichen Sprechstelle mit Münzfernsprecher für Orts-und Selbstwählferngespräche“, wie es im Amtsdeutsch hieß, erinnern.




 

Archivmaus Nr. 16

Irgendwie scheinen manche Probleme zeitlos zu sein.
So staunte die Archivmaus nicht schlecht, als sie einen Aufruf in der
Bobinger Zeitung vom 11. August 1929 von der
„Vereinigung der Brauereien, Bierverleger, Limonadenfabrikanten und Mineralwasserhändler Augsburgs und Umgebung zum Schutze gegen Mißbrauch von Flaschen“ fand.
Darin bittet die Vereinigung die Einwohnerschaft von Augsburg und Umgebung um hilfreichen Beistand bei der Durchführung von Schutzmaßnahmen gegen den bestehenden Mißbrauch von Bier- und Limonadenflaschen.
„.. Sie werden uns nach Ihren eigenen, in der Öffentlichkeit gemachten Erfahrungen zustimmen, daß die heute bei den Konsumenten zur Gewohnheit gewordene Vergeudung der leeren Bier- und Limonadenflaschen bei dem enorm steigenden Umsatz sich geradezu katastrophal auszuwachsen droht. Man kann täglich beobachten, wie öffentliche Wege und Plätze, Winkel von Hof und Haus, ja Arbeits- und Fabrikräumlichkeiten zur Lagerung von leeren Flaschen benützt werden… “
Man forderte die Bevölkerung damals auf, diese Flaschen zu sammeln und zurückzubringen und stellte dafür eine angemessene Entschädigung in Aussicht, da durch die Anschaffung neuer Flaschen die Produkte sich verteuern müssten und dies dann zum Schaden des Verbrauchers sei.
Wie oft findet die Archivmaus auf ihren Weg zur Mühlenmaus diese Flaschen auf Straßen, im Park und im Gebüsch und das, obwohl man für jede dieser Flaschen heute Geld wiederbekommt.




Archivmaus Nr. 15

Bert Brecht hat während seiner Freundschaft mit Paula Banholzer sicherlich auch Bobingen kennengelernt, da Paulas Großeltern in Bobingen heirateten und  ihr Vater in der Bobinger Krankenstation geboren wurde.
Doch was hat unser Archivmitglied Wilbert Kemper in seinen Recherchen ermittelt?
Der Großvater Theodor Banholzer und die Großmutter Maria, geb. Linder heirateten am 03.04.1866 in Bobingen. Der Großvater hatte das Handwerk des Müllers erlernt und arbeitete zum Zeitpunkt der Hochzeit als Mehlkontrolleur bzw. Mehlhändler in der Unteren Mühle, in deren Räumlichkeiten auch die erste Wohnung hergerichtet wurde. Von diesem Gebäude, der späteren Kunstmühle steht heute noch der Schornsteinsockel mit kleinem Schornstein an der Wertachstraße.
Am 05.10.1866 wurde dem Ehepaar der Sohn Carl geboren, welcher später Maria Fendt in Thannhausen heiratete. Die militärische Laufbahn von Carl Banholzer begann am 01.10.1886 als Freiwilliger beim Infanterie Leibregiment. Bereits nach 6 Monaten wurde er als Lagerarztgehilfe zur Reserve versetzt. 1892 legte er sein medizinisches Approbationsexamen an der Uni Würzburg ab. Er hat sich dann als Assistenzarzt in verschiedenen Lazaretten (z.B. Landsberg) hochgearbeitet und wurde als Oberarzt des königlich 10. Leibregimentes der Landwehr (Bezeichnung der Reservearmee) am 29. März 1912 auf eigenen Wunsch verabschiedet, um sich für weitere 10 Jahre als praktischer Arzt in Augsburg Pfersee niederzulassen.
Der Ehe von Carl Banholzer mit Maria Fendt entsprangen zwischen 1897 und 1913  8 Kinder; 4 Mädels und 4 Jungen. Paula Banholzer wurde als 3. Kind am 06.08.1901 in Markt Wald geboren.
Ebendiese Paula lernte Bert Brecht kennen. Wann die Freundschaft begann, ist nicht bekannt, aber am 30.04.1919 wurde Sohn Frank Banholzer geboren (gefallen am 13.11.1943 an der Ostfront).
Nur 3 Jahre später, Ende September 1922 starb Carl Banholzer, der Vater von Paula.
Die Traueranzeige gestaltete Bert Brecht. Deshalb gab es in der Familie Banholzer große Aufregung; denn bereits am 03.11.1922 heiratete Bert Brecht Marianne Zoff. Dessen Tochter Hanne Marianne Brecht erblickte 1923 das Licht der Welt und legte sich später den Künstlernamen Hanne Hiob zu (Gest. 2009). Marianne Brecht ließ sich 1927 von Brecht scheiden, um 1928 Theo Lingen zu heiraten.




Archivmaus Nr. 14

Beim Stöbern im Archiv fanden wir auch das alte Gedicht über die Bobinger Hausnamen.
Ein paar Namen sind ja noch vorhanden, andere schon längst vergessen.
Lesen Sie selbst, was es alles für Namen gab.

Bobinger Hausnamen
Jetzt passet auf, ihr Leut!
Will Euch was sagen heut:
Was hier net all´s für Nama geit.
Sie stammet wohl aus alter Zeit,
aus alter guter Zeit.

An Aechter und an Höß,
An Hänzle und Adöß
An obra, untra Veitabaur
An Doll und au an Schmittabaur,
Ganz drob´ da Manahöß.

Mißhansel und Wiesheiß,
An Dempf und sei Mattheis
An Bergbaur und an reicha Baur
An Haller und an Senkelbaur
An Zerrlebene und an Heiß.

A Rößlamichel ist au do,
Zwoi Uatzabauer o,
Welschtraumer und a Metzgerfranz
Schuahstanes, Mauser und Stoihans
A Wiesbauer und a böser Ma.

A Zäh und Glockabaur,
Grad rom der Lachamaur
Der Nui und Alte Baur,
Der Bäuerle und der Gässelabaur,
Der Endres und der Barthelbaur.

Der Kloiber und Fischleand,
Der Maner wia sich´s g´heart,
A Herrgott und a Gnadabaur,
A Krummaschneider u. a Metzgabaur,
A Damisch und a Küahleand.

Es gibt au no an Häuslama,
A Schwedle war jo au mol do,
Es hot no geba an Langa Hans,
An Homosbomus Katzeschwanz
Dös war a braver Ma.

A Bachbaur und a Schnäbele
Ja sogar a Baurabärtele,
a Lachafranz, a Senkelweb´r
Und in der Mitt´ a Ogele.

An Zimmer hant mer do,
An Romer und Stegma,
An Hosaschmitzer und Oelsöhm,
An Brisettler und an Böhm,
An Degamichel au dra na.

An Oehlbaur, Lachadohm,
Vom Benedikt grad rom,
An Hennajodl, Blödlapeater.
Der Schepperle ist abbrennt später.
Ist heut no schad darom.

Wir haben dann a Lacha und ä Wies,
An Venusberg ganz g´wiß,
A Judagaß ist a dabei,
A Kappazipfel, d`Fuggerei,
Ein wahres Paradies.

Aus:
Der Sinkelbote
Heimatliche Beilage zum Schwabmünchner Tagblatt
4. Jahrgang 1927/28




Archivmaus Nr. 13

Im Rahmen der Baumaßnahmen im Rathaus wurden auch die Akten der Baubehörde sortiert. Mitarbeiter des Kulturamtes fanden dabei die Unterlagen über den ersten öffentlichen Münzfernsprecher in Bobingen. Diese waren so interessant, dass wir die Chronologie hier veröffentlichen wollen. Es war ein langer Weg.
22.Oktober 1954
Antrag vom Bürgermeister Hartmann auf Errichtung einer Fernsprechzelle mit Selbstwählbetrieb
10.November 1954
Antwort des Fernmeldeamtes Augsburg, dass Einführung des Fernsprechwähldienstes bei der Vermittlungsstelle Bobingen leider nicht durchführbar
- Bitte um Geduld, bei Umstellung auf Selbstwählbetrieb wird der Antrag geprüft
Viel Zeit geht ins Land
14. August 1961
Erneuter Antrag vom Bürgermeister Häring auf Errichtung einer öffentlichen Fernsprechzelle außerhalb des Postamtes und Darstellung der Dringlichkeit und Situation in Bobingen
30. August 1961
-Antwort des Fernmeldeamtes Augsburg, dass „Anregung“ auf Aufstellung eines öffentlichen Münzfernsprechers geprüft wird
29.September 1961
Antwort der Oberpostdirektion München
- Weitere Verschiebung des Antrages auf Grund von vielen Anträgen und „… Demgegenüber sind jedoch die Beschaffungsmöglichkeiten für die hierzu notwendigen kostspieligen Einrichtungen verhältnismäßig gering.“
- wesentlich größere Orte(Bobingen hatte damals bereits 7500 Einwohner) hätten auch noch keine und dadurch sei „…noch kein genügendes Bedürfnis für die Errichtung… anzuerkennen,
- man behalte den Antrag im Auge
31.Oktober 1961
Marktrats- Sitzung in Bobingen
-Marktrat ist empört über die Antwort der Oberpostdirektion, weil wesentlich kleiner Gemeinden bereits eine Telefonzelle haben
- beauftragt Marktverwaltung erneut bei der Oberpostdirektion vorzusprechen und falls notwendig den Herrn Bundespostdirektor um Hilfe zu bitten
14.November 1961
Brief von Bürgermeister Häring an Oberpostdirektion mit erneuter Bitte um wohlwollende Prüfung des Antrages und detaillierte Beschreibung der Sachlage in Bobingen, wie eingeschränkte Öffnungszeiten der Post und dadurch , ständige Nutzung der privaten Telefone von Nachbarn
-man scheine Bobingen immer noch als unterentwickelte Landgemeinde zu betrachten, obwohl ein Industriebetrieb mit 3000 Mitarbeitern bestehe
28. November 1961
Telefongespräch der Oberdirektion München (OD) mit Marktverwaltung (MV)
- nach einigem Hin und Her einigte man sich darauf, bis März 1962 zu warten, da man bis dahin mit einer weiteren Sendung von Münzfernsprechern rechne
20. März 1962
Information der OD München an Marktverwaltung, dass in der nächsten Zeit in der Bahnhofstraße eine „öffentliche Sprechzelle mit Münzfernsprecher für Orts- und Selbstwählferngespräche“ eingerichtet wird
So kam Bobingen zu seiner ersten Telefonzelle außerhalb des Postamtes.




Archivmaus Nr. 12

Bei unseren Recherchen zum Thema Leben und Arbeiten der Italiener in Bobingen stießen wir auf einen Zeitungsartikel in den Heimatnachrichten vom 24.12.1975. In diesem Artikel geht es darum, wie ausländische Familien an der Hochstraße das Weihnachtsfest feiern. Unter anderem wurde über eine italienische Familie berichtet, die sich seit 1962 in Bobingen befand. Damit hatten wir schon einen weiteren Namen und Nachweis über das Leben in Bobingen gefunden. Doch damit nicht genug. Unsere Recherchen in den Rechnungen der Gemeindekrankenversicherungskasse aus dem Jahre 1896 ergaben, dass zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Italiener in der Ziegelei in Bobingen beschäftigt waren. Die Zeitdauer der Versicherung lässt auf befristete Arbeiter schließen. Genaue Untersuchungen dazu werden noch durchgeführt. Wer kennt Personen, hat Bilder, kennt Geschichten oder hat sonstige Informationen zu diesem Thema? Die Mitglieder der Archivgruppe sind auch in Bobingen unterwegs und befragen eventuelle Zeitzeugen oder Verwandte.
Die Ergebnisse werden im Mai 2012 in einer Ausstellung veröffentlich werden. Lassen Sie sich überraschen, was alles zu sehen sein wird.




Archivmaus Nr. 11

Bei den Vorarbeiten über Leben und Arbeiten der Italiener in Bobingen blieb die Archivgruppe an diesem Thema hängen: Wer erinnert sich noch an die Bobinger Eisdiele der fünfziger und sechziger Jahre in der Hochfeldstraße 2? War es nicht eine der schönsten Jugenderinnerungen der damaligen Zeit, wenn man sich einen 'Bollen' Eis oder gespritzte Sahne in der Eistüte für 10 Pfennige oder gar beides für 20 Pfennige kaufen durfte, oder wenn man sonntags mit einer Schüssel Eis für die Familie holte? Und es war immer ein besonderer Anlass, wenn man sich in der elegant im Stil der 50er Jahre eingerichteten Eisdiele mit Freunden zu einem Eisbecher traf.
Georg Fritz erzählt in "Das Obere Dorf in Bobingen. Bilder aus der Vergangenheit" (Bobingen 2007, S. 156) davon: 1949 wurde die Eisdiele eröffnet und 20 Jahre lang von der Familie Dempf / Herz geführt. Auch beiliegende Fotos stammen aus diesem Buch (Dank dem Verfasser für die Genehmigung zur Wiedergabe).




Archivmaus Nr. 10

Endlich ist nach dem Rathausumbau wieder Leben im Archiv. Die Mitglieder der Archivgruppe stürzten sich gleich in ein weiteres Projekt.
An dem bayernweiten Projekt „Stadt.Geschichte.Zukunft“ wird sich die Archivgruppe neben anderen Bobinger Gruppen mit einem eigenen Thema beteiligen.
Im Mai 2012 sind ein Vortrag und eine Ausstellung über das Leben und Arbeiten der Italiener in Bobingen geplant. Themen wie
- seit wann gibt es Italiener in Bobingen, woher kamen diese
- welche Arbeit, unter welchen Bedingungen
- Leben in Bobingen
- Eis, Pizza, Pasta, …
- Geschichten und Episoden
- Bilder aus alten und neuen Zeiten
- Und was wir sonst noch finden….
Bei ersten Recherchen haben wir schon interessante Zeitungsartikel und Berichte gefunden.
So fanden wir, dass 1956 bei der Gemeinde 8 Italiener gemeldet waren. Es soll aber schon früher Italiener in der Ziegelei gegeben haben und auch Zwangsarbeiter in der Fabrik.
Wir sind also noch ganz am Anfang.
Wer kann uns mit Berichten, Informationen und Bildern/Fotos unterstützen, die im Zusammenhang mit dem Leben und Arbeiten der Italiener in Bobingen stehen? Wer kennt Episoden und Geschichten?
Einfach anrufen unter 08234 41375 oder per Post oder per mail an info@hochstraessler.de
Man kann auch einfach donnerstags (jede 2. gerade Woche) von 16-18Uhr im Rathaus beim Treffen der Archivgruppe vorbeikommen. Ich würde mich über neue Gesichter in meinem Archivkeller sehr freuen.




Archivmaus Nr. 9

Nachdem ich mit meiner Verwandten der Mühlenmaus noch ein paar interessante Urlaubstage verbrachte, kehrte ich wieder in mein Archiv zurück und konnte die Mitglieder der Archivgruppe im September endlich wieder begrüßen.
Nach so langer Abstinenz vom Archiv wurde das weitere Vorgehen in Sachen Recherche zum ersten Weltkrieg besprochen. Es soll das tägliche Leben der Bobinger 2014 ausgestellt werden.
Passend dazu haben wurde schon Brief von der Bayerischen Zentral-Darlehenskasse an den Bobinger Darlehenskassen-Verein datiert vom 5.4.1917 gefunden. 
Darin heißt es:
Wie wir heute vom Werk hören ist unterm 31.März ein weiterer Wagen Peissenberger Würfelkohle an Sie ausgerollt, sodass Sie also eine Ladung mehr erhalten haben. Dieses Versehen seitens des Werks wird Ihnen nicht unangenehm sein, da es ja nur Ihr Vorteil ist, denn heute darf man sozusagen um jeden Zentner Kohle froh sein. Wir bezweifeln daher nicht, dass Sie die Ladung ohne weiteres übernommen haben und überreichen Ihnen beigefaltet Rechnung hierüber.“
Die Kohle hatte einen Wert von 300,30 Mark. Man war sicher froh über diese zusätzliche Lieferung, doch leider nicht umsonst geliefert.




Archivmaus Nr. 8

Bedingt durch den Umbau im Rathaus bin ich immer noch im Urlaub unterwegs. Auf dem Weg durch Bobingen kam ich an vielen schönen, auch neu hergerichteten Gebäuden vorbei und plötzlich sah ich eine alte, wunderschöne Mühle. Dort rauschte der Bach und ich hörte viele Stimmen. Leise schlich ich mich in dieses Gebäude und konnte meinen Augen nicht trauen. Das Mühlenfest war im vollen Gange und unter anderem zeigten die Kerbschnitzer der Hochsträßler gerade ihr Können. Da traf ich sie plötzlich - die Mühlenmaus. Man stelle sich meine Freude vor, eine Verwandte zu finden. Sie erzählte mir die Geschichte der Mühle und dass die Hochsträßler im Juli einen Vortrag mit Ausstellung in der Mühle durchführen. Da kam mir doch die Idee, dass die Archivgruppe dort auch erstmals die bisherigen Ergebnisse ausstellen könnte. Und so half mir die Mühlenmaus die verschiedenen Recherchen der Archivgruppe im Rahmen des Vortrages über die Luftfahrtgeschichte  im Lechfeld zu präsentieren. Damit hatten wir unsere erste Präsentation erfolgreich geschafft und ich hatte einen neuen Freund – die Mühlenmaus. Wir werden bestimmt noch einiges zusammen unternehmen können. Die Archivgruppe jedenfalls trifft sich wieder am 8. September um 16.00Uhr.




Archivmaus Nr. 7

Ein Thema welches die Archivgruppe auch interessiert, ist das Wasser in und um Bobingen.
Dabei stießen wir auf eine Diplomarbeit aus dem Jahre 1991, die sich mit der Wasserversorgung der Stadt Bobingen in der Geschichte und der Gegenwart befasste.
Ein erster Blick in diese Arbeit zeigte uns eine sehr gute Zusammenfassung und diese könnte eine gute Basis für eine kleine Ausstellung zum Thema Wasser in Bobingen sein. Mal sehen, was man daraus machen kann.
Weitere Recherchen ergaben unter anderem die Annahmen zur Berechnung des Wasserbedarfs aus dem Jahre 1909 durch das „Königlich Bayerische Wasserversorgungsbureau“ aus München. Diese Annahmen sollten als Grundlage für die Kalkulation des Baus einer Wasserversorgung in Bobingen dienen.
Annahme:
„.. eines täglichen Verbrauches von 50 Liter für den Kopf der Bevölkerung, für 1 Stück Grossvieh und für je 5 Stück Kleinvieh…“
Doch bis es in Bobingen eine gemeindliche Wasserversorgung gab ging noch viel Zeit ins Land.
In der Bobinger Zeitung vom 5.Oktober 1929 findet man dann endlich die Anzeige
„ Einladung zur Feier anläßlich der Eröffnung der Bobinger Wasserleitung“
mit entsprechender Festfolge und Festzug. Dieses Ereignis war sehr bedeutend für die Gemeinde und die Einwohnerschaft vornehmlich die Hausbeitzer an der Hauptstraße wurden aufgefordert, die Häuser zu beflaggen und es heisst dort „ Also Fahnen heraus!“
Seit dem hat auch Bobingen eine gemeindliche Wasserversorgung.




Archivmaus Nr.6

Mir, der Archivmaus vom Bobinger Rathaus ist ja sooo langweilig. Keiner kommt mich besuchen. Und überall wird gehämmert und gebohrt. Es ist kaum auszuhalten. Deshalb habe ich beschlossen, einen Ausflug zu machen. Was hab ich da gehört, da wollen welche zur Burg Walden und dann zu der Scheppacher Kapelle. Also in einer Burg gibt es bestimmt viel zu sehen und auch gute Verstecke. Ich bin nämlich etwas menschen- und katzenscheu. Ob die Scheppacher Kapelle sich auch so gut anhört wie die Stadtkapelle? Ich bin schon richtig gespannt auf diesen „historisch-ökumenischen Pilgerpfad“, von dem so viel im Archiv geredet wurde. Wie komme ich bloß zu dieser Burgwalden? Einen Wegweiser habe ich schon gefunden.
Da kommen bestimmt viele Leute, vielleicht kann ich mich ja bei einem im Rucksack mitnehmen lassen. Seid ihr auch schon neugierig geworden?
Dann kommt doch
am Samstag,
16.Juli 2011 um 16°° Uhr,
zum Parkplatz in Burgwalden




Archivmaus Nr.5

Die Archivmaus berichtet (Nr.5)
Bei den Recherchen stießen wir auf das Gemeindeinventar von Bobingen von 1903-1923. Dies enthält neben den Immobilien auch die sogenannten Requisiten. Die meisten davon waren zu dieser Zeit für die Feuerwehr und die Totengräber.
Von 1903-1913 besaß Bobingen unter anderem folgende Requisiten
(in Klammern das Jahr der Anschaffung):
1903
1 große Feuerspritze ( seit 1823)
1 Druck und Saugspritze (seit 1900)
12 Wassereimer
6 Feuerleitern
8 Feuerhaken
2 eiserne Rechen
1 Schubkarren
2 Sandgitter
2 Hauen
4 Schaufeln
1 Waldsäge
3 Äxte
2 Grabspaten
1 Aufhängkasten im Feuerwehrhaus (seit 1890)
4 Leichenträgerhüte (seit 1890)
4 Leichenträgertuchkragen (seit 1890)
1 Gummispiralfangschlauch (seit 1895)
1 Gräbermodell (seit 1895)
100m Hanfschläuche
42 Helme für Feuerwehrmänner (seit 1901)
20 Gurten für Feuerwehrmänner (seit 1901)
1904 kam hinzu 1 mechanische Schubleiter
1905 kam hinzu 1 Kesselofen
1906 kam hinzu 4 Öfen
1912 kam hinzu 5 Steigergurte für Feuerwehr
1915 kam hinzu
Küchengeschirr und 8 Weckgläser
2 Schaufeln für Totengräber
1 Greifer
Dem kann man entnehmen, dass 42 Feuerwehrmänner in Bobingen zu dieser Zeit in Sachen Brandbekämpfung tätig waren und eine Feuerspritze benutzten, die 1823 angeschafft wurde. Es gab 4 Sargträger, welche die Hüte von der Stadt gestellt bekamen. Angaben zu den dazu notwendigen Kleidungen haben wir bisher nicht gefunden. Damit könnte man annehmen, dass private Kleidung benutzt wurde. Unter dem „Gräbermodell“ kann man ein Modell einer mustergültigen Grabanlage verstehen, also eine Art Anregung oder Anleitung wie ein Grab oder die Gestaltung ein Grabanlage aussehen könnte. 1915 bekamen die Totengräber neue Schaufeln. Hier könnte man einen Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg vermuten. Mal sehen, was wir so noch finden.




Archivmaus Nr. 4

Diesmal möchten wir über erste Funde, Schule und Bildung im 1. Weltkrieg betreffend, berichten.
In den Schulkassenrechnungen von 1917 findet man 9643,13M als Gesamtausgaben der Gemeinde Bobingen für die Schule
Darunter z.Bsp.
15,50M für schwarze Tinte
3,40M für Putzlumpen
19,50M für Gebetsbücher (15 Stück)
77,50M für 31 Stück Laudate (Gesangbuch des Bistum Augsburg)
5M für 600 Stück Erlaubnisscheine für Schulbesuch
2,25M für Zündhölzer a 0,45M
4,50M für 3 Stück Schultafelschwamm
Einnahmen von 2,20M gab es z. Bsp. für die Erstellung eines Sonntagsschulentlaßscheines.
Desweiteren war Schulgeld zu zahlen. Dieses war pro Quartal fällig. Die Höhe hing davon ab, ob die Kinder Werktags- oder Sonntagsschüler waren und ob mehrere Kinder pro Familie zur Schule gingen.




Archivmaus Nr.3

Nach den ersten zufälligen Funden der Kosten für Maulwurf- und Mausvernichtung wurde konkret gesucht und gefunden:
1863 Zwei Bobinger Maulwurffänger angestellt
1879 Maulwurffang beendet bis auf Widerruf
1881 – 1883 zeitweise Maulwurffänger angestellt
1910 Bezahlung 0,20M pro Maulwurffang
1920 Gesetz zum Schutz des Maulwurfs erlassen, für privat Ausnahmen zulässig
1925-1926 Gesetz zeitweise außer Kraft
1948 Prämie pro Maulwurffang 0,20DM
Seit 1950 Drei Maulwurffänger angestellt
1960 insgesamt 1700 Maulwürfe gefangen, davon 700 Wühlmäuse
Seit 1961 war jeder selbst für sein Grundstück zuständig mit einer Anreizprämie von 0,50DM. Als Nachweis diente der abgelieferte Maulwurfschwanz.
Damit fiel die Stelle des Maulwurffängers in Bobingen endgültig weg.
Wie man auf dem aktuellen Foto sehen kann, freut sich der Maulwurf oder die Wühlmaus weiter Ihres Lebens auf Bobinger Flur.
„Prinzipiell kann man sich über Maulwürfe freuen, denn ihre Anwesenheit zeigt, dass der Boden gesund ist und es zahlreiche Kleinlebewesen im Boden gibt, die Nahrungsgrundlage der Maulwürfe sind. Der Maulwurf lebt von tierischer Nahrung wie Regenwürmer und Raupen. Da er sehr gerne Schädlinge wie Schnecken, Engerlinge, Schnakenlarven frisst, ist er ein ausgesprochener Nützling im Garten.“ Quelle www.nabu.de
Als Archivmaus bin ich richtig froh, dass meine Verwandten jetzt sicherer leben.
Wir werden nach weiteren vergangenen Berufen oder interessanten Themen suchen – bis zum nächsten Mal.




 

Archivmaus Nr.2

Bei den Recherchen zum 1. Weltkrieg wurden in den Rechnungsbüchern von 1910 der Landgemeinde Bobingen „mausentsetzliche Dinge“ gefunden.
Folgende Ausgaben findet man unter der Rubrik: Industrie und Kultur
274,80M für Vertilgung der Maulwürfe
242,40M für Vertilgung der Maulwürfe
27,50M für 15 Flaschen Mäusebazillen
2,50M für Mausgift
1,50M für Verteilung des Mausgifts
Da wurden doch sage und schreibe 548,70 M für Maus und Maulwurfvertilgung ausgegeben im Vergleich zu nur 96,90M für Kulturarbeit laut Wochenliste.
Es war halt eine andere Zeit, in der für Kultur nicht viel Geld zur Verfügung stand. Es gab andere Prioritäten.
Im Bobinger Wochenblatt vom 29.9.1918 kann man Beiträge über die Preiserhöhungen bei Briefmarken, Wucherischen Handel mit Bauerleinen, Schwindeleien beim Süßstoffhandel und in die Millionen gehende Schiebungen mit Sprit(Alkohol), Benzin, Benzol und Kognak lesen.
Irgendwie kommt einem dies doch alles ziemlich bekannt vor oder?




 

Archivmaus Nr. 1

In den Kriegsjahren des 1. Weltkrieges wurde per Gesetz alles geregelt, eben deutsche Gründlichkeit. So unter anderem:
1916 wurden folgende Höchstpreise für Hartkäse festgelegt:3 Monate alter Emmentaler mind. 40% F. i.T. Mark 1,60 für 500gTilsiter, Gauda, Edamer mind. 40% F.i.T. Mark 1,40 für 500g
Ebenso wurde am 4.4.1916 die „mittlere Sonnenzeit“ (unsere heutige Sommerzeit) aus wirtschaftlichen Gründen für den Zeitraum vom 1.Mai bis 30. September 1916 festgelegt.




 
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