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STRAßENNAMEN BOBINGEN (05/2020)
 

Straßen-, Wegenamen im alten Bobingen
Vor allem in drei alten Bobinger Steuerregistern mit detaillierten Lagebeschreibungen von Anwesen und dazugehörigen Grundstücken aus dem 18. Jahrhundert (im Staatsarchiv und Stadtarchiv Augsburg), aber auch in einer Vielzahl von Urbaren, Salbüchern, Bestandsbriefen, Urkunden, Pflegamtsprotokollen, Akten etc. (Staatsarchiv Augsburg), die zum Teil noch viel weiter zurückreichen, sind über 200 alte Bobinger Straßen- und Wegenamen, Flurnamen, Markierungs- und Grenzpunkte, sowie Namen von Gewässern und Waldgebieten verzeichnet.
Im folgenden Aufsatz sollen nun in erster Linie alte Namen von Straßen und Wegen innerhalb des Ortes sowie der vom Ort wegführenden Straßen behandelt und mit heutigen Straßenverläufen und -namen verglichen werden.

Hauptstraßen
Das alte Bobingen war geprägt von zwei Straßen, die sich in Nord-Süd-Richtung durch den Ort zogen: die Augsburgerstraße bis zur Gabelung an der St. Wendelin-Kapelle in die östliche Hochstraße mit Fortsetzung Lindauerstraße und in die westliche Römerstraße mit Fortsetzung Poststraße.Der östliche Straßenzug war bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts nur zum Teil ostseitig bebaut: im Norden von der heutigen Schwabenstraße bis zum Glockerweg, dann von der heutigen Pestalozzistraße bis etwa zur Koloniestraße; lediglich das Obere Armenhaus lag noch südlich davon.
Eigentliche "Hauptstraße" war ab der St. Wendelin-Kapelle die heutige Römerstraße und Poststraße. Dies kam auch in der alten Namensgebung zum Ausdruck: "Vordere Straß" wurde dieser Straßenzug im alten Bobingen genannt. Die östliche liegende Durchgangstraße von Augsburg nach Süden hieß ab der St. Wendelin-Kapelle "Hintere Straß", teilweise auch "Landstraß". Beide Straßen wurden gelegentlich auch als "Reichsstraß" bezeichnet. Nördlich von Bobingen führte die "Burgstraß" nach Augsburg.

Parallelwege
Hinter den Anwesen im Osten der "Hinteren Straß" gab es als Abgrenzung zu den Äckern einen "Gangsteig hinter den Gärten", heute von Nord nach Süd: Sudetenstraße, Sebastianweg, Glockerweg, Rathausstraße, Am Rain, Kleiberweg. Im Westen waren viele Anwesen durch Bach- oder Flusslauf begrenzt: im Süden durch den "Ölbach", der etwa in Höhe der heutigen Badstraße in die Singold mündete, danach bis zur Unteren Mühle (Wertachstr. 11) die Singold (früher Senkel, Sinkolt, Zinkalt,) selbst. Der Verlauf der Singold wich in früheren Zeiten an mehreren Stellen deutlich vom heutigen Verlauf ab, sowohl im Oberen als auch im Mittleren und Unteren Dorf (s.u.)
Als Parallelweg zur "Vorderen" und "Hinteren Straß" führte im Westen das Untere und Obere Wolfsgässchen durch die Wiesen. Der Verlauf entsprach ziemlich genau dem heutigen Ahweg und dem Schwettinger Weg. Östlich der sogenannten "Braiten" (auch Breitlehen), den ehemaligen dorfnahen Äckern des zwischen 1316 und 1459 abgegangenen Bobinger Amtshofes, verlief der "Braitensteig", exakt dem Verlauf der heutigen Greifstraße entsprechend.

Quer- und Diagonalverbindungswege

Unteres Dorf
Im Norden Bobingens zweigt heute die Schalmeistraße in westlicher Richtung ab. Im alten Bobingen war dies die "Lachen". Sie gab z. B. dem "Lachenbauer" (Schalmeistr. 9) und dem "Lachenböck" (abgegangen, westl. von Wertachstraße 14) den Hof- und Hausnamen. Der Hausname "Lachenböck" deutet zugleich die Herkunft des Begriffs an: auf einer Karte von 1819 ist direkt vor dem Anwesen eine größere Ausbuchtung der Singold, eine "Lache" zu sehen, vermutlich ein Hinweis auf einen früheren Verlauf der Singold entlang der heutigen Hirtenstraße, was wiederum den Hofnamen "Wiesbauer" (Hirtenstraße 7) schlüssig erklären würde.
Etwas weiter nördlich zweigte in Richtung Nordosten ein Diagonalweg, der "Haunstetter Weg" ab. Sein Anfang, gegenüber einem alten Hof des Augsburger Klosters St. Georg, entspricht der heutigen Schnitterstraße. Ab dem Ortsende ist er nur noch als kleine Erhebung im Gelände erkennbar.
Die heutige Wertachstraße wurde im alten Bobingen als "unterer Triebweg" bezeichnet. Hier wurde das Vieh des Unteren Dorfes durch die Singoldfurt bei der Unteren Mühle auf die Weiden getrieben. Der Weg führte auch über die Wertach zur bis ins 19. Jahrhundert einzigen nahen Ziegelei bei Bannacker und nach Bergheim. Vom Unteren Triebweg zweigte nach der Singold "die Wies" nach Süden ab, heute der Singoldanger. Damit ist auch klar, dass mit "Wies" ein Gebiet ausschließlich westlich der Singold gemeint war, das einst wohl auch die Anwesen auf der Westseite der Hirtenstraße bis hinab zum "Wiesbauer" mit einschloss.
In östlicher Richtung zweigt die Bischof-Ulrich-Straße ab, früher der "Untere Heuweg" genannt. Diese Bezeichnung mag für manchen irreführend klingen, da doch noch heute östlich von Bobingen nur Ackerland liegt. Tatsächlich aber führte der Weg bis in die einmähdigen Wiesen des Lechtals auf dem Gebiet Königsbrunns, das als Ort ja erst im 19. Jahrhundert auf Bobinger Flur entstanden war. Vom "Unteren Heuweg" bog in Höhe des heutigen Sebastianwegs in nordöstlicher Richtung ein Diagonalweg ab, der 1498 "Veyolsweg" genannt wurde. Im Laufe des 18. Jahrhunderts mutierte der Name zu "Veichelsweg", um 1800 dann zu "Felsweg".
Die erste Querverbindung zwischen "Vorderer" und "Hinterer Straß" war ein mittlerweile abgegangener Weg, der später auch "Hexengässele" genannt wurde und das Untere vom Mittleren Dorf abgrenzte. Anno 1498 hieß dieser Weg "die Gaß so man in das Veld gatt". Der Weg verlief nördlich von Vogteiweg 2 und Hochstraße 53a. Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der heutige Vogteiweg als Durchgangsweg angelegt, zuvor war dieser Weg nur die Zufahrt in den Hof des "Bergheimer Uezen".

Mittleres Dorf
Die südliche Grenze des Mittleren Dorfes ist der heutige Zehentweg. Hausnummern wurden in Bobingen erst 1785 eingeführt. So teilte man davor in den alten Steuerbeschrieben aus Übersichtsgründen das Dorf in "Ober-, Mittel- und Unterlänger" ein.
Die Zufahrten zur Mittleren Mühle (Römerstr. 53), wie auch zur Oberen Mühle (Römerstr. 7) hießen einst "Obere und Untere Mühlgasse". Ob dies auch den heutigen Mühlberg betraf, ist nicht überliefert.
Das heutige Wolfsgässchen wurde im Bereich östlich der Römerstraße 1685 "Mayrgässele" oder 1630 "Gasse gegen der Schmidten" genannt. Die Mittlere Schmiede (Römerstr. 26) wurde im 30jährigen Krieg zerstört, erst um 1700 wieder aufgebaut, jedoch in der Folgezeit nicht mehr als Schmiede genutzt. Das "Mayrgässele" führte in den "Mayrhof" (Hochstr. 29). Östlich davon zweigten Diagonalwege von der "Hinteren Straß" ab, der eine, "Mayrweg" und "Ottmarshauser Weg", in Richtung (Ober-)Ottmarshausen, vor dem Bau der Eisenbahn in einer Linie verbunden (heute Mayrweg und Oberottmarshauser Straße); der andere, "Langer Weg" genannt, führte in östlicher Richtung bis zur alten Via Claudia (Königsbrunn, Höhe Adalbert-Stifter-Straße). Seine Richtung ist heute noch im Beginn der Gartenstraße ablesbar. Westlich der Römerstraße hieß das heutige Wolfsgässchen "die Mittel Hört Gaß". Hier wurde das Vieh des Mittleren Dorfes auf die westlichen Weiden getrieben.
Der heutige Hochstiftweg wurde im 16. Jahrhundert "Spatzer Gesslin" genannt, nach einem Anlieger namens Spatz.

Oberes Dorf
Der heutige Inselweg hieß bis zum 30jährigen Krieg "Obere Badgasse". Diese führte zum Oberen Bad (Inselweg 3 und 5). Die "Untere Badgasse" dagegen war bis etwa 1580 die direkte westliche Fortsetzung der heutigen Bäckerstraße. Jakob Fugger ließ sie zur Vergrößerung seines Schlossgebäudes (Römerstr. 15, 17) mit Zustimmung von Herrschaft und Gemeinde nach Süden an die Nordseite des damaligen Pfarrhofes (Römerstr. 13) verlegen. Um 1700 verschwand sie ganz.
Die heutige Krumbacherstraße, einst Zugang zur Bobinger Wasserburg, auch Ministerialien-, später Pflegamtssitz, dürfte nach der Zerstörung im 30jährigen Krieg mit anschließender Neugründung von fünf Anwesen als deren Zufahrtsweg ausgebaut worden sein. Der Weg führte aber noch weiter durch die Wiesen nach Westen zur oberen Bobinger Wertachbrücke und von dort nach Straßberg.
Für die weiteren Querverbindungen zwischen "Vorderer" und "Hinterer Straß" (heute Berggasse, Vogelberg, Schlößleweg und Venusberg) konnten keine besonderen Namensgebungen gefunden werden, während der heutige Quellenweg 1498 noch "Ölsteig" hieß, später "Ölgasse". Über den "Ölbach" führend, war dies der Zugang zu den "Ölwiesen", die zwischen Dorf und Singold lagen.
Die heutige Bahnhofstraße hieß wohl schon kuz nach dem Bau der Bahnlinie Augsburg-Lindau "Eisenbahngasse"; davor war es der "Obere Heuweg", der wie sein Pendant im Norden bis in die Lechfeldwiesen führte. An seiner Kreuzung mit der Via Claudia entstand 1688 der "Neuhauswirt".
Die heutige "Breite Steige" (richtig eigentlich "Breiten Steige", s.o.), hieß in früheren Zeiten "Ostergasse". Sie führte am "Ostergarten" (Lindauerstr. 17, Kleiberweg 2a) vorbei, ein bis etwa 1700 unbebauter Garten, der bis dahin zum westlich gelegenen "Veitenbauernhof" (Poststr. 16) gehörte. Der Begriff hat also nichts mit dem kirchlichen Begriff Ostern zu tun, sondern mit seiner Lage im Verhältnis zum zugehörigen Hof.
Auf Höhe der Liebfrauen-Kapelle führte ein Weg nach Osten, der nach seiner Kreuzung mit dem Braitensteig als Diagonalweg nach Südosten abbog, nun "Schleißweg" genannt wurde und in Richtung Wehringer Flur ging.

Wer sich gerne zum besseren Verständnis die oben geschilderten Wege und Straßen Bobingens auf einer alten Karte ansehen möchte, dem sei folgender Link empfohlen:
https://geoportal.bayern.de/bayernatlas/?topic=ba&lang=de&bgLayer=historisch&catalogNodes=11,122&E=636162.91&N=5348434.04&zoom=10

Franz Xaver Holzhauser, Mai 2020




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