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DER TRIUM REGUM ALTAR (01/2020)
 

Der Trium Regum- [Dreikönige-] Altar in der Bobinger Pfarrkirche St. Felizitas

In den Bombennächten des zweiten Weltkriegs wurde auch das Archiv des Bistums Augsburg schwer getroffen; dabei wurden unwiederbringlich nicht ausgelagerte Bestände zerstört. Die Bistumshistoriker Anton Steichele und Alfred Schröder hatten glücklicherweise vieles davon schon gesichtet und ausgewertet. Ihre darauf begründete mehrbändige Diözesanbeschreibung aus der Zeit von 1864-1940 ist für die Ortsforschung eine äußerst wichtige Grundlage. Das Landkapitel Schwabmünchen wurde 1932 von Schröder in Band VIII bearbeitet; es umfasst das Gebiet südlich von Haunstetten und Inningen bis Erpfting und Buchloe, dazu Straßberg als einzigen Ort westlich der Wertach. Neben den gedruckten Bänden existiert aber noch eine Fülle von handschriftlich aufgezeichneten historischen Daten aus dem ehemaligen Bistumsarchiv, die nicht im gedruckten Werk auftauchen.
Unter Bobingen / Pfarrkirche gibt es hier einen Hinweis auf vier Altäre Anno 1593 (1), wohl zurückgehend auf ein nicht mehr vorhandenes Visitationsprotokoll: "1. St. Felicitas, 2. BMV., 3. Joh. B. et Sebast., 4. trium regum". Die vier Altäre in der Pfarrkirche waren also der Kirchenpatronin Sankt Felizitas, der Seligen Jungfrau Maria, den Heiligen Johannes dem Täufer und Sebastian, sowie den Heiligen Drei Königen geweiht.
Meist fanden diese Altarpatrozinien neben den Patronen der örtlichen Kirchen und Kapellen in der Vornamensgebung eines Ortes ihre Entsprechung. Felizitas, Maria, Johannes [Hans] und Sebastian [Gastel] waren schon lange vor 1600 beliebte Bobinger Vornamen, allen voran Maria und Hans (2). Von den Drei Königen Kaspar, Melchior und Balthasar findet sich nur ein einziger Kaspar in einem hochstiftischen Besitzverzeichnis von 1459 (3), im hochstiftischen Urbar 1498 (4) je ein Kaspar und ein Melchior. Im folgenden Jahrhundert steigerte sich der Beliebtheitsgrad der Dreikönige-Vornamen. Im Steuerregister von 1577 (5) (hier nun der gesamte Ort) werden vier Kaspar, zwei Melchior und ein Balthasar genannt, 1602 (6) dann sechs Kaspar und je vier Melchior und Balthasar. Dies könnte darauf hindeuten, dass der "Trium Regum" - Altar in den zurückliegenden Jahrzehnten in die Pfarrkirche gekommen war. Möglicherweise war der Stifter des Altares Kaspar von Freiberg, dessen Gemahlin Dorothea von Knöringen, verwitwete von Benzenau, 1459 (7) die bischöflichen Besitzungen in Bobingen erworben hatte. Von Freiberg war auch Initiator für die Errichtung eines Frühmess-Benefiziums in Bobingen Anno 1465/1472 (8).
Wie lange der Dreikönige-Altar in der Pfarrkirche stand, ob er auch noch nach dem 30jährigen Krieg existierte, ist nicht feststellbar. 1708 (9) sind noch drei Altäre in der Pfarrkirche erwähnt, vermutlich ein Altar der Heiligen Felizitas, ein Johannesaltar und ein Sebastiansaltar.
Für die weitere Beliebtheit der Dreikönigsnamen lassen sich die ab 1673 erhaltenen katholischen Bobinger Pfarrmatrikeln (10) heranziehen. Im Taufregister finden wir von 1673-1700 acht mal den Taufnamen Kaspar, einmal Melchior und sechs mal Balthasar, im Sterberegister des gleichen Zeitraums je fünfmal Kaspar und Balthasar, sowie zweimal Melchior. Im Zeitraum von 1701 bis 1814 wurde 68 mal ein Kaspar getauft, 12 mal Melchior und sechs mal Balthasar. Die beiden letzteren Vornamen sind heute nicht nur in Bobingen fast gänzlich verschwunden (11), lediglich Kaspar (Caspar/Casper) wird noch ab und zu vergeben.

Franz Xaver Holzhauser, Januar 2020

Quellen:
1) Bücherei zur Geschichte des Bistums Augsburg in Dillingen, Materialsammlung zu: A. Steichele, A. Schröder, F. Zöpfl: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben. Bobingen, Pfarrkirche
2) dazu ausführlich: Holzhauser, Franz Xaver: Hans und Sepp ... Vornamen in Bobingen vor 1814. In: Bobingen und seine Geschichte, hrsg. von Walter Pötzl u. Wolfgang Wüst, Bobingen 1994, S. 443 ff.
3) Staatsarchiv Augsburg, HU Nr. 1241, Reversbrief, 9.2.1459
4) Staatsarchiv Augsburg, HA, NA, Lit. 1771, Hochstiftisches Urbar 1498, Bobingen
5) Staatsarchiv Augsburg, HA, NA, Lit. 1773, Steuerregister 1577, Bobingen
6) Stadtarchiv Augsburg, Historischer Verein, H 51, Steuerregister 1602, Bobingen
7) wie Anm. 2
8) Schröder Alfred: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben. Bd. VIII, Augsburg 1913, S. 94
9) wie Anm. 1
10) im Pfarrarchiv Bobingen
11) https://blog.beliebte-vornamen.de/2008/12/wenn-das-kind-weihnachten-geboren-wird/ (Abruf 1.1.2020)




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