Sie sind hier: Bobinger Historie 2020  

BOBINGER GLÜCKS(MAI)KÄFER (01/2020)
 

Bobinger Glücks(mai)käfer

Zur Gattung der Glückskäfer zählen normalerweise Marienkäfer oder Skarabäen. Letztere haben eigentlich die älteren Rechte, denn man verehrte sie schon zu Pharaonischen Zeiten. Kaminkehrer rechnet man zwar auch zu den Glücksbringern; sie haben aber mit Käfern nur gemeinsam, dass sie manchmal auf allen Vieren über Dächer krabbeln. Auch Schweinchen, Klee, schwarze Katzen, Fliegenpilz und nicht zuletzt das Hufeisen wären noch als Glückssymbole zu nennen, die im Kleinformat meist um den Jahreswechsel als Dekoration auf Tischen und Fensterbänken herumstehen. Da muss sich doch manch anderes Wesen benachteiligt vorkommen! Vielleicht kam es deshalb zu dem "Curiosum", von dem uns die Neue Augsburger Zeitung am Dreikönigstag vor 152 Jahren berichtete:

"Auf den Blumen im Zimmer eines Hauses in Bobingen machte sich heute (2. Januar) ein sehr wohlgebildeter Maikäfer bemerkbar, der, wie es scheint, im Kalender irre geworden ist und vielleicht die mit dichtem Schnee bedeckte Welt als mit reicher Blütenfülle decoriert angesehen hat. Derselbe befindet sich nach Umständen wohl, spaziert auf den Blättern eines Geraniums munter hin und her; doch zum fliegen hat er sich noch nicht angeschickt. (Dieser Bobinger Maikäfer macht leider auch noch keinen Mai!)"

Hätte er sich nur einen Tag früher, also an Neujahr gezeigt, wäre es ihm ohne Zweifel gelungen, in die Sphalanx der Glückskäfer ein für allemal einzudringen! Heute muss man von Glück sprechen, überhaupt mal wieder einen Maikäfer zu finden.

Franz Xaver Holzhauser, Januar 2020




Der Trium Regum Altar (01/2020)