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KAISER MAXIMILIAN I. IN BOBINGEN (1/2019)
 

Die Stadt Bobingen feiert 2019 50 Jahre Stadterhebung. Ein besonderes Glanzlicht auf Bobingen wirft dazu der 500. Todestag des Kaisers Maximilian I., gestorben am 12. Januar 1519. Der Habsburger besaß mindestens seit 1496 bis zu seinem Tod ein Schloss in Bobingen, damals vom Kaiser selbst als "Marckt" bezeichnet.

Es war eine von 140 (!) Besitzungen des Kaisers, die ihm und seiner Begleitung u.a. auch auf zahlreichen Jagdzügen Unterkunft gewährten. Bedienstete vor Ort hatten für Verpflegung von Mensch und Tier zu sorgen. Anlage und Unterhalt der dazugehörigen "Lustgärten" besorgten zehn "Obristgartner" (Obergärtner). Der "Garten Meister" für die 13 Gärten in Schwaben, der Markgrafschaft Burgau sowie im Herzogtum Schwaben saß in Wellenburg und hatte neben Wellenburg Gärten in Augsburg, Bobingen, Kaufbeuren, Edenhofen, Ichenhausen, Hohenfreyberg, Sigmundsburg am Fernsteinsee, Günzburg, Donauwörth, Weissenhorn, Erbach und Rottenburg am Neckar zu unterhalten. In einigen Fällen werden präzise Aufgaben genannt, z.B. Baumgarten, Tiergarten und Alton in Wellenburg, die Gestaltung der Gartenanlage in Augsburg und Hohenfreyberg "auf Niderlendisch". Die Gärten in Kaufbeuren und Weissenhorn sollten mit Laubbäumen bepflanzt werden.
Auch Schloss und Herrschaft Mickhausen kam 1498 in den Besitz Maximilians, blieb jedoch als Pfandschaft in den Händen der Verkäufer und taucht deshalb in der obigen Liste nicht auf.

Um die 20 mal weilte der Kaiser zwischen 1496 und 1518 in Bobingen, wo er vor allem der Beizjagd auf Enten und Reiher an der Singold nachging. 1504 gab er in seinem Bobinger Schloss „für einige Fürsten, Edelleute und Grafen" im Rahmen einer Jagd ein festliches Bankett. Dass in Bobingen nicht nur gejagt und gefeiert, sondern gelegentlich auch große Politik gemacht wurde, beweist ein Bericht von Erasmus Brascha, Bote des Herzogs von Mailand, den Maximilian zu sich nach Bobingen bestellt hatte.

Bobingen zählte im späten 16. Jahrhundert neben dem bischöflichen Amtsschloss (einer Wasserburg auf dem Areal des ehemaligen Feuerwehrhauses) zehn weitere Schlösschen, auch Lusthäuser oder Freßgütlein genannt. Das "furstlich Lusthaus" des Kaisers scheint Vorbild für diesen Schlösschenboom gewesen zu sein, der um die Mitte des 16. Jahrhunderts einsetzte.
Obwohl bisher keine Kaufs- oder Verkaufsbelege zum kaiserlichen Schloss aufgetaucht sind, kann auf Grund des Baustils sowie vor allem der Quellenlage zu den Bobinger Schlösschen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich beim kaiserlichen Lusthaus in Bobingen um das heutige "Mittlere Schlösschen" handelte. Es reichte damals noch bis zum Wolfsgässchen herab und ist das älteste profane Gebäude im weiten Umkreis. Die Besitzer von 1523 bis heute sind nahezu lückenlos nachweisbar.

Recherchiert und zusammengestellt von Franz Xaver Holzhauser, Bobingen
Stand: Dezember 2018

Quellen:
www.regesta-imperii.de
Th. G. von Karajan (Hg.): Kaiser Maximilian's I. geheimes Jagdbuch und Von den Zeichen des Hirsches, eine Abhandlung des vierzehnten Jahrhunderts. Wien: Carl Gerold's Sohn, 1858, S. 36.
J. Sesar: "Jagdzüge des Kaisers Maximilian in Bayerisch-Schwaben". In: Schwäbische Blätter für Heimatpflege und Volksbildung, Jg. 13, 1962, S. 109-118.
F. D. Gräter (Hg.): „Proben von Kaiser Maximilians I. hinterlassenen Schriften. Aus der kaiserlichen Bibliothek mitgetheilt von Official Leon“. In: Braga und Hermode oder Neues Magazin für die vaterländischen Alterthümer der Sprache, Kunst und Sitten, Leipzig 1800, S. 166 ff.




 
Mittleres Schlößchen in Bobingen
Mittleres Schl÷▀chen in Bobingen
Kaiser Maximilian I
Kaiser Maximilian I



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