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BOBINGER KARNEVAL 1849 (2/2019)
 

Fastnacht, Maskeraden und Faschingsumzüge haben eine lange Tradition. 1397 wird erstmalig von einem Faschingsumzug in Nürnberg berichtet. 1823 gab es den ersten Rosenmontagsumzug in Köln. So wie damals und auch heutzutage bei Faschingsumzügen besondere Vorkommnisse und politische Themen des vergangenen Jahres närrisch parodiert werden, organisierten Handwerksburschen am 19. Februar 1849 einen „Masken-Zug" in Bobingen und thematisierten dabei einen Vorfall, der sich Ende Oktober des Jahres 1848 zwischen Pfarrhaus und Kronenwirtschaft zugetragen hatte. Davon berichten uns mehrere anonyme Leserbriefe in Augsburger Zeitungen:

Der Bobinger Pfarrer (Franz Xaver Ebentheuer) habe einen Handwerksburschen vom Pfarrhaus bis zum Kronenwirt (Joseph Mayr) verfolgt und Leute aufgefordert, den Flüchtenden zu packen und zu schlagen. Ein Bauer habe ihn in den Straßengraben geworfen und der Kronenwirt ihn darauf verprügelt. Nur auf Bitten der Kronenwirtin sei der Bursche schließlich losgekommen und habe sich noch nach Augsburg schleppen können, wo er dann an den Folgen verstorben sei. Da man von keiner Untersuchung zu diesem Vorfall gehört habe, hätten "die hier arbeitenden fremden Gesellen" das Geschehen "vor den Häusern der Betheiligten maskirt dargestellt, um deren Gewissen darüber wach zu halten". Der Pfarrer habe sich schon öfter derartiges zu Schulden kommen lassen und die Leserbriefverfasser fragen, "ob dieser dem Stande des Herrn .....er´s (Pfarrers) so ganz entgegengesetzte Handlungsweise nicht endlich einmal ein Ziel gesetzt wird?"

In den folgenden Wochen verbreitete sich das Gerücht immer stärker. Auf einen anonymen Leserbrief vom 29.3.1849, der die Anschuldigungen gegen Pfarrer und Kronenwirt erneuerte, antwortete am 1.4.1849 anonym "Ein Bobinger" mit einer "Entgegnung":
"Die ganze Geschichte von einem in Bobingen angeblich mißhandelten Handwerksburschen reduziert sich auf nachstehende Thatsache, deren Wahrheit eidlich erhärtet werden kann." Im November vorigen Jahres seien dem Pfarrer "kurz nach einander von frechen fechtenden Handwerksburschen die Fenster eingeworfen" worden. Ein dazugekommener Bobinger Bürger habe dem Burschen entrüstet die Gerte entrissen "und ihm damit einige wohlverdiente Hiebe über den Rücken" gegeben, "worauf der Bursche entlief." Der verehrte Hr. Pfarrer erscheine "außer den zerbrochenen Fenstern nicht im Entferntesten dabei betheiliget".

So ganz abgenommen wurde diese "Entgegnung" anscheinend von der Bevölkerung nicht, denn im Dez. 1849 erschien ein Leserbrief, der zunächst Bezug nahm auf die Namenstagsfeier des Pfarrers und Distrikts-Schul-Inspektors, die mit feierlichem Hochamt, umrahmt von Gesang und Musik zahlreicher Lehrer des Distrikts, abgehalten wurde. Die Schuljugend wurde sogar mit einem schulfreien Tag für ihre Glückwünsche belohnt. Etwas höhnisch ging der anonyme Berichterstatter jedoch auf eine Situation ein, wo sich Ebentheuer illegal als Wahlmann für den Landtag aufstellen lassen wollte und schloss mit der ironischen Bemerkung "Nun, Gott gebe, daß er in der Folge nur Freuden erlebe wie am heutigen Tage, und der Herr wolle das Uebel von Wahlen und Maskenzügen von unserem verehrten Hrn. Pfarrer abwenden!"

(Franz Xaver Ebentheuer (1780-1853) war von 1814-1853 Pfarrer in Bobingen und von 1823-1852 Distrikts-Schul-Inspektor des Schuldistrikts Schwabmünchen.)

Recherchiert und zusammengestellt von Franz Xaver Holzhauser, Bobingen, Januar 2019

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Karnevalsumzug
Bayerische Staatsbibliothek, www.digipress.digitale-sammlungen.de
Augsburger Anzeigeblatt vom 24.2.1849, S.2; 29.3.1849, S. 2; 1.4.1849, S. 3.
Augsburger Tagblatt vom 8.12.1849, S. 2.




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