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BOBINGER GANGSAGEN (3/2019)
 

Alte Bobinger Gangsagen

Vielerorts sind Erzählungen über alte unterirdische Gänge bekannt, so auch in Bobingen. Manche Gänge sind in früheren Zeiten wohl als Fluchtmöglichkeiten aus ehemaligen Festungen, Burgen, Schlösschen oder Kirchen angelegt worden, andere Geschichten deuten eher auf eine enge Zusammengehörigkeit zweier Örtlichkeiten hin. Einige Sagen sind wohl reine Erfindung, ohne historischen Kern.

Von Bobingen sind mindestens acht geheimnisvolle Gangsagen bekannt; sechs davon sind Schlösschen zuzuordnen. Die mündlichen Berichte aus dem Jahr 1989, zusammengetragen von Franz Xaver Holzhauser und dem damaligen Bobinger Stadtarchivar Reinhold Lenski, stammen von insgesamt elf glaubwürdigen Bobinger Bürgern. Mancher berief sich dabei auch auf ältere Erzählungen. Keine der Gangsagen konnte jedoch bisher offiziell verifiziert werden. Wahrscheinlich wurde diesbezüglichen Funden keine Aufmerksamkeit zugemessen oder man befürchtete zeitliche Verzögerungen bei Baumaßnahmen.

Eine der jüngeren Geschichten betrifft ein mittlerweile abgegangenes Anwesen im Norden Bobingens, das zwischen 1785 und 1808 erbaut wurde. Zwei Gewährsleute berichteten, von der abgegangenen, dreifach unterkellerten Gastwirtschaft Zott („Weißes Rößl") in der Augsburgerstraße solle ein Gang vom untersten Kellergeschoß nach Süden zur Kapellwirtschaft bei der Wendelinskapelle geführt haben. Das Grundstück war vor 1785 unbebaut.

Eine Tür im "Unteren Schlösschen" soll der Zutritt zu einem weiteren Gang gewesen sein. In diesen sei man mit einer Kerze eingedrungen, um durch etwaiges Erlöschen der Kerze Sauerstoffmangel festzustellen. Diese Geschichte wurde ebenfalls von zwei Gewährsleuten erzählt.

Vom "Mittelbräu" (ehemalige Gastwirtschaft Escheu) habe ein Gang unter der Hochstraße hindurch bis ins freie Feld geführt, berichtete ein weiterer Gewährsmann.

Dem "Mittleren Schlösschen" werden gleich zwei unterirdische Gänge nachgesagt: einer soll in südliche Richtung geführt haben, der andere zum gegenüberliegenden Anwesen Römerstr. 20. Nach dem südlichen Gang hatte der frühere Besitzer Scholz als Kind vergeblich geforscht. Der zweite Gang könnte durchaus früher als Verbindungsgang oder Fluchtmöglichkeit genutzt wurden sein, denn das Anwesen gehörte bis um 1700 zum Mittleren Schlösschen. Natürlich könnte die Sage auch nur auf diese enge Zusammengehörigkeit anspielen.

Ein Verbindungsgang zwischen dem sogenannten "Heilig-Kreuz-Schlösschen" (abgegangen, Bäckergasse/Römerstraße) und einem Schloss westlich der Römerstraße wurde bei einem Neubau in der Bäckergasse angeschnitten. Beide Schlösschen waren vom ausgehenden 16. Jahrhundert bis um 1650 im Besitz der Familie Fugger und hatten damals auch eine gemeinsame Wasserversorgung. Je zwei Gewährsleute erzählten von den Gängen im Mittleren und dem Heilig-Kreuz-Schlösschen.

Eine weitere Gangsage haftet am ehemaligen "Kirchbräu", 1652 erbaut auf einem im 30jährigen Krieg zerstörten Schlösschen. Der Gang soll nach Norden geführt haben. Der frühere Stadtbaumeister Schuster erinnerte sich, als Kind zusammen mit den Söhnen des Besitzers etwa 10 bis 20 Meter weit in den Gang eingedrungen zu sein. Danach war kein Weiterkommen mehr möglich; der Gang sei verschüttet gewesen. Eine weitere Person berichtete, bei einer Schulimpfung um 1940 im Gasthof Deuringer seien ältere Mitschüler in dem Gang gewesen. Die Kinder wurden später mit einem spukenden Schlossgeist vor weiteren Erkundigungen gewarnt.

Südlich vom Kirchbräu liegt die Pfarrkirche St. Felizitas. Als man in den fünfziger Jahren den Anstieg der Hochstraße abflachte, sei ein Gangprofil angeschnitten worden. Es führte zwischen heutigem Treppenaufgang und Kirchhofzufahrt zum Pfarrhof, wie ein Gewährsmann berichtete. Der Gang dürfte noch dem Vorläuferbau des 1838-40 errichteten alten Pfarrhofs (heute Pfarrheim) zuzuschreiben sein. Das ehemalige Schlösschen, um 1541 errichtet, wurde 1674 zum Pfarrhof umgebaut und 1838 abgebrochen.

Die letzte Bobinger Gangsage betrifft das sogenannte "Cosimo Sini´sche Schlösschen" in der Lindauerstraße. Allerdings wurden bei der erst kürzlich erfolgten Renovierung des Anwesens keinerlei Hinweise auf einen unterirdischen Gang gefunden - also wohl doch nur eine Sage?!

Recherchiert und zusammengestellt von Franz Xaver Holzhauser, Bobingen, März 2019




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