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EIN HOCH AUF DIE HOMÖOPATHIE VOR 175 JAHREN (4/202
 

Ein Hoch auf die Homöopathie vor 175 Jahren

Die einen halten sie für völlig nutzlos und vergleichen ihre Wirksamkeit mit der Einnahme von Gummibärchen, andere wiederum schwören Stein und Bein auf sie: die Homöopathie. Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843)*1 hatte 1790 durch einen Selbstversuch mit Chinarinde das Ähnlichkeitsprinzip entdeckt und damit die Grundlage für eine völlig neuartige und sanfte Methode geschaffen, Krankheiten zu behandeln. 20 Jahre später erschien sein Organon der rationellen Heilkunde, bis heute das theoretische Hauptwerk der Homöopathie.
Noch zu Lebzeiten Hahnemanns erfuhr die Homöopathie internationale Verbreitung. Vor allem das gebildete Bürgertum interessierte sich für die neue Heilmethode.*2 Aus dieser Bevölkerungsschicht dürfte auch der von Zahnschmerzen geplagte Verfasser eines Leserbriefs stammen, der vor 175 Jahren, im Augsburger Tagblatt erschienen war und ein Loblied auf die Homöopathie angestimmt hatte*3:

Ich bin nun schon mit einem Fiaker auf den Kobel gefahren,
das war lobenswerth,
dann bin ich mit dem Omnibus nach dem Jägerhaus gefahren,
das war gut,
dann bin ich mit der Draisine nach Bobingen gefahren,
das war sehr gut, aber mühsam,
dann bin ich auf der Eisenbahn nach Stierhof gefahren,
das war ausgezeichnet.
Am besten aber bin ich mit der Homöopathie gefahren; denn in zwei Minuten verlor ich durch sie mein Zahnweh.

Neben der erfolgreichen Anwendung der homöopathischen Globuli erfahren wir von den damals üblichen sonn- und feiertäglichen Unternehmungen des Augsburger Bürgertums. Man besuchte Ausflugsziele in der näheren Umgebung, in der Regel verbunden mit einer ausgiebigen Einkehr, wie z.B. den Kobelberg bei Neusäß oder das Jägerhaus in Siebenbrunn/Haunstetten. Während letztere Ziele zu Pferd, mit der Pferdekutsche oder dem Omnibus, einem überdachten, von Pferden gezogenen Wagen für eine größere Personenzahl, erreicht werden konnten, war der Stierhof bei Hochzoll seit 1840 die erste Haltestelle der Eisenbahnlinie Augsburg-München. Ein Kuriosum ist der schweißtreibende Ausflug nach Bobingen mit der handbetriebenen Draisine. Die erste Probefahrt auf der Strecke Augsburg-Kaufbeuren hatte am Dienstag, den 13. Juli 1874 bis nach Bobingen geführt, wo der Zug mit Musik empfangen worden war. Die offizielle Eröffnung und Einweihung der neuen Bahnlinie sollte dann am Mittwoch, den 25. August, dem Namenstag des Königs, erfolgen.4)

Franz Xaver Holzhauser, Bobingen, April 2022.
Anmerkungen:

*1 https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Hahnemann Abruf: 3.3.2022
*2 https://de.wikipedia.org/wiki/Homöopathie#Geschichte_der_Homöopathie Abruf: 3.4.2022.
*3 Augsburger Tagblatt, Nr. 221, S. 949, 14. August 1847
*4 Augsburger Anzeigblatt, Nr. 192, S. 765, 15. Juli 1847




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