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BAUERNSCHLÄUE UND BAUERNSTOLZ (02/2022)
 

Von Bobinger Bauernschläue und ächtem Bauernstolz

Das Augsburger Tagblatt berichtete am 20. April 1849 schmunzelnd von dem besonderen kriminalistischen Spürsinn eines Bobinger Bäuerleins:

Der Scharfsinn der Indianer wird in allen Zeiten gepriesen, dem unserer Landleute wird man auch bald ein hohes Lied singen können.
Vorige Woche wurde einem Bäuerlein in Bobingen ein Schwein gestohlen, und schnell war seine Spur verloren, er wußte nicht, wohin es kam. Da fuhr ihm der zündende Gedanke durch den Kopf, daß anderen Tages in Augsburg Saumarkt gehalten werde, wohin der Dieb seine rasche Beute wohl bringen könnte.
Er begab sich daher gleich hieher um seinen wohlgenährten Pflegling zu erspähen, und siehe da - die Frau im Evangelio fand den verlorenen Groschen wieder, Saul seine sauberen Brüder - und unser Bäuerlein fand den Entführer sammt der Entführten, die er beide in Verwahrung bringen ließ. Der Dieb war aus Straßberg, und hatte das Unglück mit dem Bestohlenen Handels einig zu werden, wodurch seine Arrestierung leicht bewerkstelligt werden konnte.

Detailierte Angaben zum gestohlenen Schwein, sowie der Name des schlauen Bobinger Bäuerleins sind einem Steckbrief zu entnehmen, den das Intelligenz-Blatt der Königlichen Regierung von Schwaben und Neuburg am 18. April 1849 veröffentlichte:
In der Nacht vom 11. auf den 12. l.[laufenden] Monats wurde dem Halbbauern Franz Sales Kohler zu Bobingen aus seinem Schweinstalle ein Schwein, ungefähr 3/4 Jahr alt, von weißer Farbe mit schwarzen Flecken, männlichen Geschlechts, jedoch geschnitten, im Werthe von 15 fl. [Gulden] entwendet. Man ersucht um Verfügung der Spähe und Mittheilung allenfallsiger Resultate.
Franz Sales Kohler (1809-1863) besaß seit 1840 den sogenannten Ölbauernhof (Augsburgerstr. 13, abgegangen). Eine ganze Reihe von heutigen Bobingern, darunter auch die bekannte Mundartdichterin Anni Gastl, kann auf ihren Indianer-scharfsinnigen Vorfahren stolz sein!


Von einem eher ungehobelten Mitglied der Bobinger Bauernschaft berichtete der Gast einer Hochzeit in Lechhausen am 14. Juli 1866 in einem Leserbrief an die Zeitschrift Die Stadtfraubas, ein freimütig humoristisch-satyrisches Wochenblatt für Augsburg und seine Umgegend:

Am Sonntag den 1. Juli war beim untern Wirth in Lechhausen eine Hochzeit, bei welcher sich ein Bauer aus Bobingen, der dazu der nächste Verwandte der Hochzeitsleute war, so bauernhaft protzig benahm, daß Alle anwesenden Gäste sich darüber ärgerten. Als nämlich Mittags die Frauen nicht schnell genug zum Mahle kamen, so schimpfte und raissonierte er, warf das Geld für das Mahl auf den Tisch, und ließ einspannen und fuhr davon. Da kann man doch von ächtem Bauernstolz und Bauernübermuth reden. Demselben jedoch die Nachricht, daß die Gäste in ihrer Freude dadurch nicht gestört wurden.

Die Angabe des Hochzeitsdatums führt zu Joseph Donderer (1805-1868), dem damaligen Oberschreiber-Bauer in Bobingen, heute Römerstr. 67. Seine Tochter Maria hatte am 1. Juli 1866 in Lechhausen den Schuhmacher Johann Müller geehelicht. Erschien unserm Protzbauern die Ehe seiner Tochter zu wenig standesgemäß? War er deshalb so gereizt?
Im Gegensatz zum Vater zog es später noch weitere Familienmitglieder nach Lechhausen. Maria´s Bruder Joseph heiratete 1875 dorthin und schließlich verlegte 1891 auch noch Hoferbe Johann Michael Donderer seinen Wohnsitz nach Lechhausen, nachdem er sein Bauerngut an den Bobinger Metzgerssohn Anton Geiger verkauft hatte. Der Familienname Donderer ist übrigens noch heute in Lechhausen vertreten.

Franz Xaver Holzhauser, Bobingen, Februar 2021 (Text aktualisert: 10.02.2022)

weitere Quellen:
Matrikeln der kath. Pfarrei St. Felizitas Bobingen im Pfarrarchiv Bobingen; Matrikeln der kath. Pfarrei St. Pankratius Lechhausen, online unter: https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/augsburg/lechhausen/




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